Ärzte Zeitung, 08.02.2012

"Praxis ohne Grenzen" will Arzneien spenden

Die "Praxis ohne Grenzen" in Bad Segeberg behandelt Menschen in Not kostenlos - das Arzneibudget wird stark belastet. Nach Gesprächen mit Minister Bahr soll nun die Abgabe von Medikamenten als Spende möglich werden.

Von Eugenie Wulfert

"Praxis ohne Grenzen" will Arzneien spenden

Das Spendenvolumen reicht für Medikamente nicht mehr, warnt Dr. Uwe Denker.

© Schnack

BERLIN/BAD SEGEBERG. Für viele Menschen in Schleswig-Holstein ist die Praxis ohne Grenzen von Dr. Uwe Denker die einzige Möglichkeit, medizinisch versorgt zu werden.

Der Andrang in der Praxis steigt stetig. Es wird immer schwieriger, allen Bedürftigen zu helfen.

Der ehrenamtliche Helfer und Allgemeinmediziner traf sich nun mit Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) in Berlin, um Erleichterungen für die tägliche Arbeit der Praxis in Bad Segeberg auszuloten.

"Zuzahlung soll wegfallen"

"Der Gesundheitsminister ist uns entgegengekommen: Wir dürfen nun Medikamente sammeln, die wir dann an Mittellose ausgeben dürfen. Dabei soll die Zuzahlung wegfallen", zeigte sich Denker mit den Ergebnissen des Treffens zufrieden.

"Wir wollen nur original verpackte Medikamente aus absolut sicheren Quellen wie beispielsweise Altersheimen nutzen", erläuterte der 73-jährige Allgemeinarzt.

Ein Apotheker in Bad Segeberg, der ebenfalls dem Verein Praxis ohne Grenzen e.V. angehört, soll dann überschüssige Medikamente in Altersheimen einsammeln und auf Rezept an die Patienten der Praxis ohne Zuzahlung ausgeben.

Mit der tatsächlichen Umsetzung der vereinbarten Erleichterungen rechnet Denker in etwa einem Vierteljahr.

Abgabe von Medikamenten als Spenden

Das bisherige Problem für die Praxis ohne Grenzen: Deutsche Gesetze verbieten die Abgabe von Medikamenten als Spenden. Die Praxis ohne Grenzen musste bislang Medikamente kaufen, um die Kranken damit zu versorgen.

Da immer mehr Menschen in die Praxis kommen, werde laut Denker das bisherige Spendenvolumen die Kosten der Medikamentenversorgung nicht mehr decken können. Besonders oft werden Schmerzmittel, Antihypertonika, Antidiabetika und Antidepressiva gebraucht.

Seit 2010 behandeln Denker und seine Kollegen ehrenamtlich in der Praxis ohne Grenzen in Bad Segeberg Menschen in Not kostenlos. In die Praxis kommen nach eigenen Angaben überwiegend Menschen aus dem "gescheiterten Mittelstand" - beispielsweise frühere Angestellte oder Selbstständige.

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