Ärzte Zeitung, 27.02.2012

Kommentar

Warten, bis "Rente vor Reha" gilt?

Von Florian Staeck

"Prüfen" ist eine Lieblingsvokabel des Politsprech. Auch die Bundesregierung "prüft" seit langem, den Ausgabendeckel für die medizinische Reha anzuheben. Doch die Koalition muss zum Jagen getragen werden. Helfen kann ihr jetzt ein Gesetzesantrag der SPD.

Soll das Prinzip "Reha vor Rente" nicht zur Worthülse verkommen, muss die Koalition zügig das Reha-Budget neu kalkulieren. Die Zahl der Anträge ist binnen zehn Jahre um fast 30 Prozent auf 2,08 Millionen (2010) gestiegen.

Das Reha-Budget, das analog zur Entwicklung der Löhne und Gehälter steigt, hält damit nicht mehr Schritt. Die Sozialdemokraten fordern daher, den Reha-Deckel maßvoll zu lupfen.

Berücksichtigt werden sollten bei der Berechnungsformel zusätzlich zur Lohnentwicklung die immer älter werdenden Versicherten und die geplante längere Lebensarbeitszeit.

Die Mehrausgaben wären mit maximal 300 Millionen Euro beherrschbar. Zudem spielen die Rentenkassen die Kosten einer Reha im Schnitt nach vier Monaten wieder ein: durch Beitragseinnahmen und vermiedene Erwerbsminderungsrente.

Kommt die Regierung vor lauter Prüfen nicht in die Puschen, dann gilt immer häufiger "Rente vor Reha" - und das wird richtig teuer.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Am Reha-Deckel scheiden sich die Geister

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