Ärzte Zeitung, 03.04.2012

Kommentar

Schnapsidee Betreuungsgeld

Von Christiane Badenberg

Es gibt Schnapsideen, von denen die Erfinder so berauscht sind, dass sich ihr Blick auf die Realität erheblich trübt. So scheint es der CSU mit dem Betreuungsgeld zu gehen.

Denn ein nüchterner Blick auf die soziale Realität müsste ihr zeigen, dass ein Betreuungsgeld so gut wie keinen Nutzen bringt, aber großen Schaden anrichten kann.

Erstens werden vor allem sozial schwache Familien das Betreuungsgeld in Anspruch nehmen. Das bedeutet, vor allem Kinder, für die eine Betreuung außer Haus sinnvoll wäre, würden schon im Vorschulalter in einen Entwicklungsrückstand kommen, den sie später nicht mehr aufholen können.

Zweitens sind im Bundeshaushalt für das kommende Jahr 400 Millionen Euro für diese umstrittene Leistung vorgesehen, ab 2014 sollen es 1,2 Milliarden Euro pro Jahr sein.

Millionen- und Milliardenausgaben, die sogar von der Schwesterpartei und, wie Umfragen zeigen, auch von dem größten Teil der Bevölkerung abgelehnt werden. Das Geld in den Ausbau von Kinderbetreuungs- und Förderangeboten zu investieren, wäre dagegen sinnvoll.

Es besteht wenig Hoffnung, dass die CSU noch rechtzeitig einen klaren Kopf bekommen wird. Die Zeche für diese Fehlentscheidung zahlen leider andere.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Betreuungsgeld macht Union wenig Freude

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