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Ärzte Zeitung, 04.04.2012

Breite Initiative gegen Schlaganfall

Vor neun Jahren hat Boehringer Ingelheim die Initiative "Eine Region gegen den Schlaganfall ins Leben" gerufen. Eine Zwischenbilanz zeigt die Wirksamkeit.

Von Pete Smith

Breite Initiative gegen Schlaganfall

Auf schnelle Hilfe kommt es beim Schlaganfall an - dann ist die Prognose deutlich besser.

© C. Pueschner/ZEITENSPIEGEL

FRANKFURT/MAIN. Fast 270.000 Bundesbürger erleiden jährlich einen Schlaganfall, jeder fünfte von ihnen stirbt innerhalb von vier Wochen, weitere 37 Prozent binnen eines Jahres. 70 Prozent aller Insulte könnten bei gesunder Lebensweise und einer Kontrolle der Risikofaktoren verhindert werden.

Wie sich Bürger sinnvoll schützen können und wie sie Symptome rechtzeitig erkennen, darüber klärt die bundesweite Initiative "Eine Region gegen den Schlaganfall" auf, die nunmehr ins zehnte Jahr startet.

Das Projekt wurde 2003 vom Arzneimittel-Hersteller Boehringer Ingelheim ins Leben gerufen.

Seither haben sich Initiativen in den Regionen Ruhrgebiet, Rhein-Main, Mainz und Rheinhessen, Leipzig und Umgebung, Naheland sowie in den Städten Berlin, Hamburg, Hannover, Karlsruhe und Bergisch Gladbach daran beteiligt.

Mehr als 100 Kliniken und Rettungsdienste organisierten dabei insgesamt 500 Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte, Notfallassistenten und Ersthelfer.

Darüber hinaus wurden mehr als eine Million Broschüren verteilt und aktionsbezogene Internetseiten online gestellt.

Jeder zweite Überlebende leidet unter Dauerschäden

Während der Aktionswochen können interessierte Bürger ihre Blutdruckwerte messen und ihr Wissen über den Schlaganfall auf den aktuellen Stand bringen.

Als erster Flächenstaat beteiligt sich seit  März auch das Bundesland Rheinland-Pfalz an der Initiative "Eine Region gegen den Schlaganfall".

Nach Krebs- und Herzerkrankungen gilt der Schlaganfall als dritthäufigste Todesursache in Deutschland.

Doch auch für die Überlebenden und deren Angehörige bedeutet ein Insult meist eine fortwährende Belastung. Etwa die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt ein Jahr nach dem Ereignis dauerhaft behindert und auf fremde Hilfe angewiesen.

Fast eine Million Bundesbürger leiden nach Auskunft der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe an den Folgen der Erkrankung - an Lähmungen, Gefühls-, Sprach-, Schluck-, Seh-, Gleichgewichts- und Wahrnehmungsstörungen. Die Behandlungs- und Pflegekosten nach Schlaganfall werden mit jährlich etwa zwei Prozent der GKV-Ausgaben beziffert.

Die Initiative "Eine Region gegen den Schlaganfall" verfolgt im Wesentlichen zwei Ziele, wie Birgit Härtle, Science Project Managerin der Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Co. KG, erläutert.

"Zum einen geht es uns darum, die Menschen in Deutschland über die Symptome des Schlaganfalls und das richtige Handeln im Notfall aufzuklären. Zum anderen möchten wir die Gesundheitseinrichtungen in den Regionen dabei unterstützen, ein Schlaganfall-Netz zu knüpfen."

In den vergangenen neun Jahren wurden bundesweit mehrere Millionen Menschen durch die Aktionen erreicht. Mit nachhaltigem Erfolg.

"Wir haben beobachtet, dass Patienten inzwischen viel häufiger rechtzeitig zu uns gebracht werden", erklärt Professor Christian Gerloff, Direktor der Neurologie am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. "Dadurch haben sich die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung im Notfall deutlich erhöht."

Im Notfall zählt jede Minute

Sein Kollege Professor Matthias Endres, Direktor der Neurologie der Charité Berlin, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Das Bewusstsein der Menschen in Bezug auf den Schlaganfall wurde deutlich geschärft."

Professor Otto Busse, Generalsekretär der Deutschen Schlaganfallgesellschaft, freut sich, dass sich weitere Regionen an der Aufklärungskampagne beteiligen wollen. "Es ist wichtig, dass das Projekt in anderen Regionen fortgeführt wird", so Busse.

"Denn so werden noch mehr Menschen darüber aufgeklärt, dass der Schlaganfall ein Notfall ist und jede Minute zählt."

An der im März in Rheinland-Pfalz gestarteten Initiative sind unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Kurt Beck 29 Kliniken sowie Krankenkassen, Rettungsdienste und Selbsthilfeorganisationen beteiligt.

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