Ärzte Zeitung, 02.05.2012

Akademie macht Ärzte für Deutschland fit

Eine Akademie in Fulda bereitet Ärzte aus Rumänien auf ihren Einsatz in deutschen Kliniken vor. Die Kosten teilen sich die künftigen Arbeitgeber und die Mediziner. 17 Teilnehmer wurden aus 600 Bewerbern ausgesucht.

Von Sabine Schiner

FULDA. 17 rumänische Ärztinnen und Ärzte im Alter zwischen 25 und 40 Jahren werden derzeit in Fulda auf ihren Einsatz in deutschen Kliniken vorbereitet.

Für die Integrationskurse hat der Neurochirurg Dr. Samir Al-Hami eine eigene Akademie gegründet, die Ende April eröffnet wurde. Das Investitionsvolumen beträgt eine halbe Million Euro. Noch in diesem Jahr soll ein Kurs für Pflegekräfte starten.

Allein im Jahr 2010 sind etwa 3000 Ärzte aus Rumänien abgewandert. Gründe sind die schlechten Ausbildungsbedingungen, die mangelhafte Ausstattung der Kliniken vor allem in ländlichen Gegenden, viele Überstunden und niedrige Gehälter.

Im Schnitt verdient ein Assistenzarzt 350 Euro. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit in Berlin erholt sich der rumänische Arbeitsmarkt nur langsam von der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Zahlung auf Raten

Seit 2010 wachse das Bruttoinlandsprodukt zwar wieder, der Aufschwung gewinne jedoch kaum an Fahrt.

Die 17 Kursteilnehmer wurden von Al-Hami und seiner Projektpartnerin von der Universität Bukarest, Dr. Natalia Vladescu, unter 600 Bewerbern ausgesucht. Die Akademie finanziert ihnen Flüge, Sprachkurse, Unterkunft, Verpflegung, Taschengeld.

Der Integrationskurs dauert sechs Monate und kostet etwa 35.000 Euro pro Teilnehmer. Wenn die Teilnehmer einen Job gefunden haben, müssen sie 18.000 Euro in Raten zurückzahlen, der Rest soll von ihren künftigen Arbeitgebern übernommen werden.

Das Geschäftsmodell ist nicht neu. In Bergisch Gladbach hat der Chefarzt einer Klinik für Viszeralmedizin in Koblenz-Mayen gemeinsam mit dem Personalberater Peter Holste im vergangenen Jahr eine externe Krankenhausakademie gegründet.

Dort werden rumänische Mediziner mit Hochschulabschluss, Assistenz- oder Facharztausbildung für den Einsatz in Deutschland geschult.

Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut

Die Ausbildung dauert drei Monate und bietet unter anderem Sprachkurse an der Volkshochschule und Seminare zu interkulturellen Aspekten, Klinikorganisation und Gesundheitsökonomie. Die Kosten in Höhe von 5000 Euro zahlt der künftige Arbeitgeber.

Kooperationspartner der Fuldaer Akademie ist das Goethe-Institut in Frankfurt am Main.

In 600 Unterrichtseinheiten lernen die Ärzte dort die medizinische Fachsprache und alle Vokabeln für die Verständigung mit Vorgesetzten, Kollegen und Patienten.

Damit die Absolventen möglichst schnell einen Arbeitsplatz fänden, hofft Al-Hami, der in Fulda seit 2002 eine Fachklinik zur Behandlung von Wirbelsäulenerkrankungen und des Nervensystems betreibt, auf die Unterstützung von Kliniken.

www.al-hami-international-academy.com/

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