Ärzte Zeitung, 10.05.2012

PKV will GOÄ "sprechen" lassen

GOÄ-Novelle nicht ohne Bedingungen: Die privaten Krankenversicherer halten weiter an zentralen Forderungen für die Reform fest. Sie fordern eine Öffnungsklausel, Vergütung nach Qualität - und Honorar fürs Reden.

Von Anno Fricke

PKV: Öffnungsklausel kein Türöffner für Billigmedizin

Mammutwerk vor der Reform: Die PKV hat ihre Vorstellungen für die neue GOÄ.

© nös

BERLIN. Die PKV dringt weiter auf Öffnungsklauseln in den Gebührenordnungen für Ärzte und Zahnärzte. Ziel sei aber nicht, mit Ärzten über "Billigmedizin" zu verhandeln.

"Die neue GOÄ muss auf Basis betriebswirtschaftlicher Kostendaten kalkuliert sein. Falls es auch zu einer Vertragskompetenz für die PKV kommen sollte, ist die betriebswirtschaftliche Basis die Untergrenze. Darunter wird die ärztliche Vergütung nicht fallen," sagte PKV-Verbandsdirektor Volker Leienbach am Donnerstag in Berlin.

Er unterstrich, dass die PKV in der neuen GOÄ die sprechende Medizin relativ stärker gewichtet sehen wolle als die technischen Leistungen.

An höhere Vergütungen müssten harte Qualitätskriterien angelegt werden, hieß es in PKV-Kreisen. Die PKV brauche eine GOÄ, die die Ausweitung von Behandlungen limitiere, hieß es. Nicht zuletzt auch, um die Beiträge stabil zu halten.

Die Vertragskompetenz sei nicht als Vehikel gedacht, die einzelne ärztliche Leistung im Preis zu drücken. Damit ließe sich aber die Überversorgung der Privatversicherten aus dem Markt nehmen, hieß es im Umfeld der PKV.

Zur Veranschaulichung wurden die Laborkosten angeführt. Nicht jeder Behandlungsschritt und jede Indikation erfordere ein neues Blutbild.

Die PKV-Unternehmen dächten an eine Art Integrierter Versorgung für Privatversicherte. Die Ärzte könnten davon profitieren, dass die Versicherer ihre Kunden in mit der PKV vertraglich verbundene Arztnetze "steuerten".

Wiederstand von der BÄK

Gegen Öffnungsklauseln hat sich der Präsident der Bundesärztekammer Dr. Frank Ulrich Montgomery ausgesprochen. In einem Interview mit der "Welt", sagte er, dass die Ärzte definitiv keine Öffnungsklauseln in der GOÄ bräuchten.

Auch gegen den Vorwurf, Privatpatienten würden überversorgt, wandte sich Montgomery. Die PKV wachse und die Versicherten würden älter. Vor diesem Hintergrund sei die durchschnittliche Steigerung der Ausgaben für ärztliche Leistungen von weniger als fünf Prozent im Jahr nicht viel.

Die privaten Krankenversicherer treten Berichten entgegen, die Beiträge in der PKV stiegen gegenüber der gesetzlichen Krankenversicherung überdurchschnittlich.

Sondereffekte eingerechnet, hätten sich die Beiträge beider Systeme zwischen 1997 und 2009 in etwa gleich entwickelt, haben Versicherungsmathematiker errechnet. Die Streichung des Zahnersatzes aus dem Leistungskatalog sei ein solcher Effekt.

Gesetzlich Versicherte müssten diese Leistung privat absichern. Das koste zusätzlich Geld.

Die von der Kölner Rating-Agentur Assekurata bewerteten privaten Krankenversicherungsunternehmen, etwa 50 Prozent des Marktes, hätten seit 2006 ihre Beiträge für Beamte um 3,2 Prozent, für Nichtbeamte um 4,8 Prozent im Jahr erhöht, hieß es.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »