Sonntag, 26. Mai 2013
Ärzte Zeitung online, 18.07.2012

Grausamer Bericht: Syrische Pfleger spritzen Patienten tot

Seit Monaten tobt in Syrien der Bürgerkrieg, immer neuer Bluttaten werden gemeldet. Jetzt berichtet ein desertierter Stabsarzt des Regimes, wie in Militärkliniken Patienten regelrecht hingerichtet werden.

Grausamer Bericht: Syrische Pfleger spritzen Patienten tot

Leichenberge eines Massakers in Syrien: Auch in Militärkliniken werden offenbar Patienten getötet.

© Houla Media Center / epa / dpa

HAMBURG (eb). In Militärkrankenhäusern Syrien werden einem Medienbericht zufolge offenbar gezielt Verletzte getötet, die Rede ist sogar von "totgespritzt".

Diesen Vorwurf erhebt der desertierte syrische Oberst Abdalhamid Zakaria im Magazin "stern", das an diesem Donnerstag erscheint.

Er habe die Tötungen als Stabsarzt im Militärkrankenhaus von Aleppo mit eigenen Augen gesehen, sagte der Offizier. "In einer Nachtschicht sah ich fünf, die umgebracht wurden."

Sein Spezialgebiet sei Augenheilkunde, berichtete Zakaria im Interview mit dem "stern". Er habe etwa verletzte Demonstranten wegen unkomplizierten Hornhautablösungen behandelt. "Aber wenn ich am nächsten Tag nach ihnen sehen wollte, hieß es: Über Nacht verstorben."

Auch verletzte Soldaten und Mitglieder der regimetreuen Schabiha-Miliz seien im Militärhospital getötet worden, sagte der Oberst dem "stern". Das sei seinen Worten zufolge mit Kalzium-Injektionen (sic!) oder Überdosen Insulin geschehen.

Die Kämpfer seien ermordet worden, um zu verhindern, dass sie von Kriegsgräueln berichten, und um Geld für teure Behandlungen zu sparen.

Täter, so der Militärarzt, seien regimetreue Pfleger und Krankenschwestern gewesen, die der religiösen Minderheit der Alawiten angehören.

Widerstand hätte das Krankenhauspersonal aus Todesangst nicht gewagt. Oberst Abdalhamid Zakaria hatte im Juni bekannt gegeben, dass er zusammen mit seinen Brüdern in die Türkei desertierte. Seine Frau und seine Kinder sind ebenfalls in der Türkei.

| Share

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Hausnotruf-Prämie: Malteser sorgen für Wirbel an der Weser

Der Malteser Hilfsdienst in Bremen meinte es wohl nur gut: Er versprach Hausärzten eine Werbeprämie für die Vermittlung neuer Kunden. Doch jetzt hat sich daran in der Bremer Ärzteschaft ein Streit entfacht. Kammer und KV bezeichnen das Vorgehen "illegal". mehr »

Vogelgrippe in China: Experten über H7N9 beunruhigt

Weniger Infektionen aber keine Entwarnung bei H7N9: In China infizieren sich deutlich weniger Menschen mit dem Vogelgrippevirus als noch vor einigen Wochen. Doch Experten mahnen zur Vorsicht - denn das Virus trägt "beunruhigende Merkmale". mehr »

Pilotprojekt: Patienten sollen Diabetes davonlaufen

In einem bundesweit einmaligen Projekt wollen Hausärzte in Köln übergewichtigen Bewegungsmuffeln Beine machen: 10.000 Schritte lautet das Ziel, das die Patienten pro Tag zurücklegen sollen. Die Ärzte gehen dabei mit gutem Beispiel voran. mehr »