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Ärzte Zeitung, 24.01.2013

Leitartikel zum Arztimage

Lob und Schmähung

Warum ist die Diskrepanz zwischen dem Ansehen von Ärzten bei ihren Patienten und dem Image der Ärzte in der Gesellschaft, bei Politik und Medien so groß? Wird so generelles Misstrauen kultiviert?

Von Helmut Laschet

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Wie kommt der Doktor an?

© CandyBox Images

Es gibt Realitäten, die Ärzte als unfair empfinden. Dazu gehört die enorme Diskrepanz zwischen der Beurteilung von Ärzten durch ihre eigenen Patienten und dem generellen Image in der Gesamtbevölkerung.

Zwei Drittel bis drei Viertel erleben ihren persönlichen Hausarzt als freundlich, menschlich, empathisch und vertrauenerweckend. Er ist schnell erreichbar, eine Diskriminierung zwischen Privat- und Kassenpatienten ist kaum spürbar.

Nur selten bietet er Leistungen an, die nicht unbedingt notwendig sind - und ans Geld denkt er durchweg zuletzt.

Dieses Bild vom Arzt ist hoch authentisch, weil es auf der unmittelbaren Erfahrung von Patienten mit ihrem Arzt beruht.

Die persönliche Anerkennung und Wertschätzung von Ärzten durch ihre Patienten bestimmt maßgeblich das Selbstbild der Berufsgruppe - und das wiederum weist dann die oben bezeichnete Diskrepanz zum gesellschaftlichen Image auf.

Dass Ärzte dies subjektiv als unfair empfinden, ist verständlich - hilft aber nicht weiter, wenn man diese Diskrepanz verstehen will. Sie ist freilich erklärlich ...

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[27.01.2013, 19:17:59]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Aus Patientensicht - Leben und Ärzte gefährden die Gesundheit?
Man liebt und schätzt den Arzt bei Gallenkoliken, eingeklemmtem Ureterstein, Gichtanfall, akutem Koronarsyndrom, Schlaganfall und der Reanimation. Bei Hypertonie, Typ-2-Diabetes mellitus und M. Alzheimer ist das schon problematischer. Denn Hypertonie tut nicht weh, ist eher auf lange Sicht gefährlich, und der tägliche Zwang zur Medikation nervt. Beim Typ-2-Diabetes soll man sein Leben umkrempelt, den Hintern mit Sport, Bewegung und Ernährungsumstellung hoch kriegen. Bei M. Alzheimer weiß man u. U. gar nicht mehr, was dieser Fremde von einem will, warum man Medikamente nehmen soll und überhaupt.

Bei Krebserkrankungen stellt sich als Erstes die Schuldfrage: Zu früh oder zu spät erkannt, unter- oder übertherapiert und warum gerade ich, Herr Doktor? OP, Chemotherapie, Radiatio mit quälend ungewissem Ausgang - daran könnten auch medizinisch-industrieller Komplex, Krankenhausbetriebe, Pharmaindustrie oder Ärzte verdienen und mit verantwortlich sein.

Beim nahenden Tod zieht man Bilanz: Haben das Leben, die Arbeit, Rauchen oder Alkohol die Gesundheit gefährdet, kam die Krankheit von alleine oder sind die Krankheit bzw. der Arzt schuld, war man selbst zu kritik- und verantwortungslos? Der von vielen geschätzte Hausarzt oder die Hausärztin stehen im Brennpunkt von Zu- und Abneigung. Abschied im Guten oder Ablehnung bei Verzweiflung, Mutlosigkeit und Trauer. Wer als Arzt viele zustimmende Freunde hat, wird auch ablehnende Feinde haben.

Während sich unsere Profession im Altruismus von Helfen, Heilen, Lindern, Schützen verfängt, zücken andere Berufsgruppen sensationslüstern ihre I-Phones, um den gesamtgesellschaftlichen Egoismus zu dokumentieren. Ängste und Abwehrmechanismen bleiben - wer kann schon denjenigen vorbehaltlos loben, der bei Krankheit, Siechtum und Tod als Überbringer schlechter Nachrichten eigentlich geschmäht werden müsste?

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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[24.01.2013, 17:25:56]
Dr. Wolfgang Knüll 
Solange wir versuchen zu sauber argumentieren .....
wird sich nichts ändern. Denn wir haben es mit Polemik und oft genug mit Propaganda zu tun. Da wird auf das brave Argument nicht gehört. Es impliziert vielmehr eine Position von Verteidigung oder Abwehr, die in der Regel gar nicht vorliegt. Beispiel gefällig? Vor ein paar Jahren wurde Ärzten in Frontal 21 unterstellt, sie hätten zu Hauf Verträge mit Sanitätshäusern über zu verordnenden Pflegebedarf angefangen von Einlagen bis zum Rollstuhl. Der Schaden wurde auf mindestens 2 Milliarden geschätzt, Orthopäden vorneweg, danach natürlich auch Hausärzte. Die Absurdität widerlegt ein Fritzchen aus der zweiten Klasse, aber kein Journalist. Hausärzte und Orthopäden sind etwa 70 000 Personen. Jeder Hausarzt, jeder Orthopäde hätte dann sage und schreibe 28 000 € pro Jahr bekommen - von Sanitätshäusern! Von einer angemessenen Reaktion der Ärztekammern auf diesen rufschädigenden Unsinn ist mir nichts bekannt. Zumal von dieser Art Rechnungen gegen die Ärzteschaft gezielt Neue aufgemacht werden, wenn die Politik was im Schilde führt. Millionenbeträge sind dann das Mindeste, was im Raume steht, zu meist handelt es sich gleich um Milliarden. Da gehörte auf einen groben Klotz schon mal ein grober Keil. Unsere PR -Leute sind unter aller Kanone. Und da Tagesjournalisten in der Regel sowieso Leute sind, die ihren Beruf verfehlt haben,weil sie Hörensagen oft genug für Recherche ausgeben, muss man sich über Diskrepanzen in der Wahrnehmung nicht wundern.

Apropos, wo ist eigentlich die Supergesundheitexpertin Ulla Schmidt geblieben? Verzichtbar offensichtlich und in der Versenkung verschwunden. Solchen Leuten mussten wir 8 Jahre folgen wie die Lemminge. Mit uns kann man es scheinbar machen.  zum Beitrag »
[24.01.2013, 16:58:02]
Dr. Boris H. May 
Das hat schon alles seinen politischen Sinn
das gute Ansehen der Ärzte bei den Patienten und die ständigen schlechten Kritiken von Seiten der Medien sind uns ja allen offensichtlich. Das Misstrauen das dadurch kultiviert wird hat für die Politik wohl am ehesten den Sinn der Kostendämpfung, denn die Zeche muss am Schluss ja auch gezahlt werden1

Wenn bekannt werden würde, dass das Volk mit den Ärzten zufrieden ist, dann fehlen die Argumente für eine, sagen wir einmal, "nicht ganz angemessene" Bezahlung dieser ärztlichen Leistung recht schwer.

Würde aber eine bessere Entlohnung erfolgen, müsste dies wiederum volkswirtschaftlich gegen finanziert werden, was wiederum höhere Sozialabgaben und Steuern bedeuten würde.

Dies wiederum würde bedeuten, dass das Image der Politiker leiden würde und somit eine möglich Wiederwahl scheitern könnte.

Ergo, ist es eben besser über die von Neid und Missgunst durchtrieben Medien die Gesellschaft derart zu manipulieren, dass am Schluss vielleicht auch der Patient an das schlechte Image der Ärzte glaubt, nicht mehr hingeht und damit keine Kosten mehr verursacht, damit sich dann die Politiker endlich einmal die für ihre tollen Leistungen angemessenen Diäten zukommen lassen können! zum Beitrag »

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