Ärzte Zeitung, 11.02.2013

Forum Gesundheit 2013

"Kein Arzt wird nach Duisburg-Marxloh gehen"

Ärztemangel, unterfinanzierte Krankenhäuser, überlastete Pflegekräfte - wer immer nach der Bundestagswahl regiert, in der Gesundheitspolitik warten weiter diverse Baustellen.

Von Ilse Schlingensiepen

"Kein Arzt wird nach Duisburg-Marxloh gehen"

Duisburg-Marxloh:Kaum Privatpatienten - wenig attraktiv für Ärzte.

© dpa

MÜLHEIM. Wer erreichen will, dass sich wieder mehr niedergelassene Ärzte in weniger lukrativen Gegenden ansiedeln, muss die Honorierung verändern, sonst wird sich auch mit der neuen Bedarfsplanung nichts verbessern. Davon geht die SPD-Gesundheitspolitikerin Bärbel Bas aus.

"Auch wenn Sie noch so kleinräumig planen, es wird kein Arzt nach Duisburg-Marxloh gehen, denn dort gibt es keine Privatpatienten", sagte Bas auf dem "Forum Gesundheit 2013", organisiert von der Kreisstelle Mülheim der Ärztekammer Nordrhein. Die Veranstaltung stand unter dem Motto: "2013 - Patienten und Ärzte vor der Wahl!?"

Die Bundestagsabgeordnete aus Duisburg machte klar, dass bei der SPD weiterhin die Stärkung der Hausärzte auf der Agenda steht. Wenn die Hausärzte als Allrounder gebraucht würden, müssten sie anders honoriert werden.

Dabei schließt Bas weitere Vorgaben für die ärztliche Selbstverwaltung offenbar nicht aus: "Eventuell müssen wir mit einem Veto-Recht arbeiten, um den Hausärzten den Rücken zu stärken", sagte sie.

Grüne für mehr Kooperation zwischen Hausarzt und Facharzt

Wenn nach der Bundestagswahl durch neue Mehrheitsverhältnisse die Weichen in Richtung Bürgerversicherung stehen, muss das ärztliche Vergütungssystem neu gestaltet werden.

Darin waren sich Bas und Maria Klein-Schmeink, Sprecherin für Prävention und Patientenrechte bei Bündnis 90/Die Grünen, einig.

Teil einer solchen Honorarreform wäre die Angleichung der regional unterschiedlichen Vergütungsniveaus, die sogenannte Konvergenz, sagte Klein-Schmeink.

Handlungsbedarf sieht sie auch angesichts der zunehmenden Bedeutung von Kooperationen - sowohl innerärztlich als auch mit anderen Gesundheitsberufen. "Wir müssen Honorarformen schaffen, die die Zusammenarbeit ermöglichen."

Der Ausbau integrierter Versorgungsstrukturen sollte nach Einschätzung der Grünen-Politikerin nicht in den Wettbewerb der Kassen gestellt werden. "Wir sollten eher dafür sorgen, dass die Teamarbeit von Hausarzt und Facharzt der Normalfall wird."

Die schwarz-gelbe Bundesregierung habe mit dem Versorgungsstrukturgesetz bereits die Grundlage für eine bessere Honorierung ärztlicher Kooperationen gelegt, betonte Ulrike Flach (FDP), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium.

Jetzt liege der Ball bei den Kassenärztlichen Vereinigungen. "Ich bin gespannt, wie viele KVen das auch wirklich tun", sagte Flach.

Spahn sieht Pflegekräfte am Limit

Mit der ambulanten spezialfachärztlichen Versorgung habe der Gesetzgeber die Möglichkeit geschaffen, in einem kleinen Bereich den ambulanten und den stationären Sektor zu verbinden. Leider sei der Gemeinsame Bundesausschuss mit der Umsetzung in Verzug.

Das deutsche Gesundheitssystem setze nun mal stark auf die Selbstverwaltung, so Flach. "Schubsen Sie Ihre Vertreter doch mal ein bisschen", forderte sie die Ärzte auf.

Der gesundheitspolitische Sprecher der CDU/CDU-Bundestagsfraktion Jens Spahn betonte, dass die Praxen der niedergelassenen Ärzte unverzichtbar sind, um die fachärztliche Grundversorgung aufrecht zu erhalten.

Das Beispiel der Niederlande zeige, dass die ausschließliche Ansiedlung von Fachärzten am Krankenhaus "eine Katastrophe" für die Versorgung sei.

"Im fachärztlichen Bereich halte ich es auch aus Patientensicht für wichtig, dass wir weiter niedergelassene Strukturen haben", sagte Spahn.

An einem Thema werden Gesundheitspolitiker jeder Couleur nach seiner Einschätzung nach der Bundestagswahl nicht vorbei kommen: der Überarbeitung der Finanzierung und der Strukturen bei den Krankenhäusern.

"Wir müssen gemeinsam mit den Ländern regeln, wie es im Krankenhaussektor weitergeht", sagt er.

Gerade das Pflegepersonal sei an den Grenzen der Leistungsfähigkeit angekommen. "Die Situation in den Krankenhäusern ist aus Patientensicht nicht mehr haltbar", bestätigte Klein-Schmeink von den Grünen.

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