Ärzte Zeitung, 11.04.2013

Kommentar zum Bericht über Freie Berufe

Ein Armutszeugnis

Von Helmut Laschet

Gerade einmal 57 Seiten benötigt das Bundeswirtschaftsministerium, um die "Lage der Freien Berufe" schön zu schreiben. Dem Ressort genügt, dass die Zahl der Freiberufler 2012 mit 1,2 Millionen einen Höchststand erreicht hat, dass sie mit ihren drei Millionen Mitarbeitern zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften und eine ungebrochene Gründungsdynamik existiert.

Tatsächlich resultiert der Zuwachs ganz überwiegend aus einer Verdoppelung der Zahl freier Kulturschaffender, wahrscheinlich in prekären Verhältnissen wirtschaftender Kunstberufe. Die Zahl der akademischen Heilberufe, die wirtschaftlich selbstständig sind, stagniert.

Die Gründe dafür werden nicht analysiert: die Verrechtlichung der Rahmenbedingungen, das im Verhältnis zu den Gewinnchancen hohe Investitionsrisiko, fehlende Planbarkeit der Zukunft, wachsende Komplexität der Aufgaben - und eine Neuorientierung des akademischen Nachwuchses im Verhältnis von Beruf und Familie.

Besonders aufschlussreich für Ärzte dürfte sein, dass das liberal geführte Wirtschaftsressort jeden Hinweis auf die weiter auf Eis liegende GOÄ-Reform vermeidet. Eindeutiger kann ein Armutszeugnis eigentlich nicht ausfallen.

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Immer mehr Selbstständige: 124.000 Ärzte sind frei

[11.04.2013, 20:10:12]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Lost in Translation"? (Sofia Coppola)
Der Bericht über den Mythos vom "Freien Beruf" wurde von Helmut Laschet so treffend als "Schön-Schreib-Schrift" beschrieben. Selbstständig niedergelassene Ärzte sind als Vertragsärzte ständig eingezwängt zwischen individuellem Behandlungsvertrag mit Pflicht zur optimalen Behandlung nach "best practice" und g l e i c h z e i t i g e r Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebotes nach SGB V, GBA, G-BA und GKV Rabatt- bzw. Regresszwängen.

Zugleich sind GKV- und PKV-Umsatzsteigerungen von unter einem halben Prozent pro Jahr nicht mal ansatzweise geeignet, Innovations-, Inflations- bzw. Demografieausgleich zu schaffen, geschweige denn die Attraktivität der Vertragsarzt-Niederlassung erhöhen zu können. Wie dramatisch sich dies ausgewirkt hat, ist jetzt schon erkennbar: Zum Ende 2012 schätzt wwww.destatis.de, dass 82 Millionen Menschen in Deutschland leben. Damit kämen nur noch auf 661 Bundesbürger ein Arzt/Ärztin für die ambulante medizinische Versorgung.

Bei dem sich jetzt schon abzeichnenden und in den nächsten 10 Jahren dramatisch zunehmenden Hausärztemangel ist ein offensichtlich desorientierter Bundeswirtschaftsminister Dr. med. Philipp Rösler nun wahrlich "Lost in Translation".

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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