Ärzte Zeitung online, 12.09.2013

Deutscher Gesundheitsmonitor

Apotheker vertrauenswürdiger als Ärzte

Weiße Kittel erzeugen Vertrauen: Apotheker genießen von den Gesundheitsberufen noch vor den Ärzten das höchste Vertrauen in der Bevölkerung. Das geht aus dem erstmals vorgestellten Deutschen Gesundheitsmonitor der Arzneimittel-Hersteller hervor.

Von Anno Fricke

BERLIN. Was die gesundheitspolitische Kompetenz angeht, steht kurz vor den Wahlen in der Sicht der Bevölkerung keine Partei wirklich gut da.

Das geht aus dem am Mittwoch erstmals vorgestellten "Deutschen Gesundheitsmonitor" des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller (BAH) hervor.

Auf die Frage "Welcher Partei trauen Sie am ehesten zu, die aktuellen gesundheitspolitischen Probleme in Deutschland zu lösen?" antworteten 44 Prozent der 1000 Befragten mit "weiß nicht".

Die Union erhielt 23 Prozent Zustimmung, die SPD 17 Prozent, die Grünen acht Prozent, die Linke fünf Prozent. Der FDP, die in der auslaufenden Legislaturperiode das Gesundheitsministerium führte, trauen nur zwei Prozent zu, in der Gesundheitspolitik etwas zu bewegen.

Meinungsbild künftig alle vier Monate

Das Ergebnis zeige, dass es den Parteien nicht gelinge , die Bevölkerung ernst zu nehmen und die betroffenen Bürger zu Beteiligten zu machen, sagte BAH-Hauptgeschäftsführer Dr. Martin Weiser bei der Vorstellung des Monitors am Mittwoch in Berlin.

Künftig will der BAH alle vier Monate das Meinungsbild zu einem solchen Brennpunktthema ermitteln lassen. Partner des Verbandes dabei ist das Marktforschungsunternehmen Nielsen.

61 Prozent der Befragten halten die derzeitige medizinische Versorgung für ausreichend. Unabhängig davon, ob sie privat oder gesetzlich versichert sind, verneinten aber 22 Prozent diese Frage.

Mit dem Bildungsstand und dem Einkommen wächst die Zufriedenheit mit dem eigenen Gesundheitszustand und dem Gesundheitssystem. Das zeigen die Ergebnisse der telefonischen Standardbefragung ohne vertiefende Nachfragen. Arbeitssuchende weichen stark nach unten vom Durchschnitt ab.

Dass die Zustimmung in Baden-Württemberg und Bayern demnach am höchsten ist, überrascht nicht. Auch nicht, dass sie in Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern am weitesten vom Spitzenwert abweicht.

Das höchste Vertrauen

Die Antworten auf die Frage nach den Erwartungen für die Zukunft relativieren die Momentaufnahme. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der Befragten geht davon aus, dass sich das deutsche Gesundheitssystem binnen zehn Jahren verschlechtert. 15 Prozent zeigen sich als Optimisten und rechnen mit einer Verbesserung des Systems.

Die Autoren des Monitors haben auch Fragen nach dem Image der einzelnen Gesundheitsberufe gestellt. Aus Sicht der Bevölkerung schneiden die Apotheker am besten ab.

Sie genießen bei 70 Prozent der Befragten das höchste Vertrauen, gefolgt von den Ärzten mit 61 Prozent.

Die Verbindung von Apothekern und Pharmaindustrie haben die Befragten nicht hergestellt. Die Arzneimittelhersteller selbst belegen mit 19 Prozent den vorletzten Platz vor der aktuellen Bundesregierung (15 Prozent).

"Für uns bedeutet das, dass wir etwas zu tun haben", kündigte der BAH-Geschäftsführer verstärkte Imagepflege an.

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