Ärzte Zeitung online, 03.12.2013

Gesundheitsversorgung

NRW will Menschen mit Behinderung Zugang erleichtern

Die Landesgesundheitskonferenz in Nordrhein-Westfalen hat einen umfangreichen Maßnahmenkatalog beschlossen, um Hürden im Gesundheitswesen für Menschen mit Behinderung abzubauen. Bisher werden Betroffene etwa unzureichend informiert oder Krankheitssymptome werden falsch interpretiert.

Von Ilse Schlingensiepen

NRW will Menschen mit Behinderung Zugang erleichtern

Die Wege durch das Gesundheitssystem sind für Menschen mit Behinderung oft verschlungen und mühsam.

© Gina Sanders / fotolia.com

KÖLN. In Nordrhein-Westfalen wollen niedergelassene Ärzte und Kliniken gemeinsam mit den weiteren Akteuren im Gesundheitswesen verstärkt die besonderen Belange von Menschen mit Behinderung in den Blick nehmen.

Basis ist ein umfangreicher Maßnahmenkatalog zur besseren gesundheitlichen Versorgung dieser Patientengruppe, den die jüngste Landesgesundheitskonferenz verabschiedet hat.

Die Maßnahmen, auf die sich die Teilnehmer der Landesgesundheitskonferenz verständigt haben, sollen nach Angaben von Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) dazu beitragen, dass das Gesundheitswesen wahrhaft inklusiv wird: "Das heißt für uns, einen gleichberechtigten Zugang von Menschen mit und ohne Behinderung zum Gesundheitswesen herzustellen."

Die gesundheitliche Versorgung sei in vielen Bereichen noch nicht ausreichend auf die besondere Situation, den Bedarf und die - nicht zuletzt durch das Geschlecht und den kulturellen Hintergrund geprägten - Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen ausgerichtet, heißt es in der Entschließung.

Das könne unterschiedliche Konsequenzen haben. "Das Spektrum möglicher Probleme reicht von Zugangshürden bei Präventionsmaßnahmen über die unzureichende Kommunikation in Entscheidungssituationen bis hin zur fehlerhaften Interpretation und diagnostischen Einordnung von Krankheitssymptomen."

Sechs Schwerpunkte

Die auf den Weg gebrachten Umsetzungsempfehlungen haben sechs Schwerpunkte:

- Sicherstellung eines gleichberechtigten wohnortnahen Zugangs

- Schaffung verlässlicher, bedarfs- und bedürfnisgerechter Strukturen

- Nutzerorientierung, Selbstbestimmung und Partizipation fördern

- Beseitigung von Schnittstellenproblemen

- Qualifizierung für einen vorurteilsfreien und gleichberechtigten Umgang

- Ausbau von Gesundheitsförderung und Prävention

Spezielle Versorgungskonzepte sollen entwickelt werden

Zu den verabredeten Maßnahmen gehören neben dem Abbau von Zugangsbarrieren die Entwicklung von speziellen Versorgungskonzepten, die bessere Koordination sektor- oder kostenträgerübergreifender Leistungen und die Stärkung von Problembewusstsein und individuellen Kompetenzen.

"Wenn in unserem Gesundheitssystem der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, dann muss das selbstverständlich auch für den behinderten Menschen mit seiner spezifischen Situation gelten", betonte Ministerin Steffens.

Union und SPD haben im Koalitionsvertrag unter anderem festgelegt, dass für Erwachsene mit geistiger Behinderung und schweren Mehrfachbehinderungen medizinische Behandlungszentren analog zu den sozialpädiatrischen Zentren geschaffen werden sollen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »