Ärzte Zeitung online, 07.03.2014

Rheinland-Pfalz

Kompaktprogramm gegen Ärztemangel

Drei Viertel der Bevölkerung von Rheinland-Pfalz lebt in den Landkreisen. Das jetzt vorgestellte Programm "Gesundheit und Pflege 2020" soll die medizinische Versorgung auf dem Land dauerhaft sicherstellen.

Von Christiane Badenberg

Kompaktprogramm gegen Ärztemangel

Landärzte werden in vielen Regionen gesucht. In Rheinland-Pfalz wird an Modell-Lösungen gefeilt. .

© Vielfalt 21 / Fotolia.com

MAINZ. Mit dem Programm "Gesundheit und Pflege 2020" will die rheinland-pfälzische Landesregierung die medizinische Versorgung in den weniger dicht besiedelten Regionen sichern.

Gebaut wird dabei auf völlig unterschiedliche Ansätze. Die Einrichtung eines Lehrstuhls für Allgemeinmedizin an der Universität Mainz gehört genauso dazu, wie die Übernahme der Ausbildungskosten für VERAHs oder der Ausbau von Kooperationen zwischen Krankenhäusern und Praxen.

Gesundheitsminister Alexander Schweitzer (SPD) war bei der Vorstellung des Programms besonders wichtig, dass es sich bei den bereits laufenden oder noch geplanten Programmelementen um "flächenrelevante und nicht um Insellösungen" handelt. "Es ist nicht möglich, das Thema Hausarztmangel isoliert zu betrachten", sagte Schweitzer.

30 Stipendien für Allgemeinmedizin

Noch in diesem Jahr soll der neue Lehrstuhl für Allgemeinmedizin an der Universität Mainz eingerichtet werden. Zusätzlich werden 30 Tertial-Stipendien für Allgemeinmedizin à 600 Euro von der Landesregierung bereitgestellt. Zunächst nur für dieses Jahr, Schweitzer hofft aber auf einen so großen Erfolg, sodass die Stipendien eventuell auch in den Folgejahren vergeben werden können.

Positiv bewertet der Landesvorsitzende des Hausärzteverbandes, Dr. Burkhard Zwerenz, dass das Gesundheitsministerium die Ausbildungskosten für 180 Versorgungsassistentinnen in der Hausarztpraxis (VERAHs) übernimmt.

Die Kosten betragen 1700 Euro pro Person und werden im Regelfall von den Praxen bezahlt. "Der erste Kurs ist bereits ausgebucht", berichtete Zwerenz und für den zweiten gebe es bereits zahlreiche Interessentinnen. Bislang sind in ganz Rheinland-Pfalz etwa 100 VERAHs im Einsatz.

Schweitzer hofft, dass die Assistentinnen die Hausärzte so entlasten können, dass diese mehr Zeit für die Patientenversorgung haben.

Auch neue Wege

Aber Rheinland-Pfalz beschreitet bei der Sicherstellung der medizinischen Versorgung auf dem Land auch neue Wege. So wird in einem Pilotprojekt aus der Glantal-Klinik Meisenheim (Landeskrankenhaus) das Gesundheitszentrum Glantal.

Meisenheim liegt "in the middle of nowhere", wie der Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, Gerald Gaß, sagte.

Von der Verbandsgemeinde in der Nordpfalz braucht man mindestens 55 Minuten, um bis zur nächsten Autobahnauffahrt zu gelangen. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung dort sicherzustellen, wurde auch im ambulanten Bereich mit der Zeit immer schwerer.

"Wir standen vor der Frage: Den Standort aufzugeben oder komplett umzustrukturieren", so Gaß.

Man hat sich für die zweite Variante entschieden. Investiert wurden 42 Millionen Euro, von denen 28 Millionen aus Landesmitteln stammen. "Auf längere Sicht wird das der letzte Klinikneubau sein", sagt Schweitzer. An der Klinik wird ein Filialarztzentrum entstehen, in dem Fachärzte tageweise arbeiten sollen.

Die Stationen werden so angelegt, dass auf ihnen interdisziplinär gearbeitet werden kann. Eine große radiologische Praxis wird per Telemedizin an die Klinik angebunden, sodass Aufnahmen zeitnah ausgewertet werden können.

Mitarbeiterorientierte Fortbildungen werden unterstützt

"Das alles ist im Konsens mit den niedergelassenen Ärzten in der Region vereinbart worden, obwohl die Klinik ein eigenes Medizinisches Versorgungszentrum betreibt", versichert Gaß.

"Patienten mit schweren Erkrankungen werden in einem Krankenhaus der Maximalversorgung behandelt werden müssen, aber 70 Prozent der Behandlungen können wir bei uns vornehmen", sagt er.

Ein weiterer Schwerpunkt des Programms ist die Fachkräftesicherung in der Pflege. Hier werden den Pflegeheimen verschiedene Optionen angeboten. Sie können kostenlos und online eine Analyse der Arbeitsbedingungen in ihren Heimen sowie einen Demografiecheck der Mitarbeiter vornehmen.

Zudem unterstützt das Land mitarbeiterorientierte Fortbildungen von Führungskräften. Ziel ist es, den Pflegekräften gezielte Angebote zu machen, damit sie lange und gesund in ihrem Beruf arbeiten können.

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