Ärzte Zeitung, 13.10.2014

Berlin

Flüchtlinge bleiben häufig unversorgt

Hilfeorganisation sucht im Berliner Raum freiwillige Haus- und Fachärzte.

BERLIN. In Berlin haben immer mehr Menschen keinen geregelten Zugang zu medizinischer Versorgung. Das Medibüro für medizinische Flüchtlingshilfe, das diesen Menschen helfen will, ruft deshalb selbst nach Hilfe.

Gesucht werden Ärzte, die Patienten mit unklarem Aufenthaltsstatus und EU-Bürger ohne Krankenversicherungsschutz behandeln. Dabei fehlen nicht nur Allgemeinmediziner, sondern auch Fachärzte, vor allem für die Gebiete Psychiatrie, Augenheilkunde, Dermatologie und Neurologie.

Derzeit kann das Medibüro nach eigenen Angaben selbst an Personen mit akuten Schmerzen teilweise erst Tage bis Wochen später einen Termin vermitteln.

Es kooperiert mit rund 120 Ärzten, Zahnärzten, Hebammen, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten im Berliner Raum, die sich bereit erklärt haben, Behandlungen anonym und kostenlos durchzuführen. Kosten für Medikamente, Hilfsmittel, Labor- und Bilddiagnostik finanziert das Medibüro aus Spenden.

Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus fürchten oft eine Abschiebung, wenn sie beim Sozialamt einen Krankenschein beantragen. Flüchtlinge im Asylverfahren und geduldete Flüchtlinge haben laut Medibüro nur Anspruch auf reduzierte medizinische Leistungen.

Die dritte - wachsende - Gruppe der Hilfesuchenden sind EU-Bürger, die weder in Deutschland noch in ihren Herkunftsländern krankenversichert sind.

Für Arbeits-, Dienstleistungs-, Waren-, Kapital- und Finanzmärkte sei ein europäischer Rechtsrahmen geschaffen worden. Dagegen stellte sich die sozialrechtliche Situation der innereuropäischen Migranten in der Praxis als uneinheitlich und komplex dar, kritisiert das Medibüro. (ami)

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