Ärzte Zeitung online, 11.12.2014

RKI-Studie zeigt

Deutsche leben immer gesünder

Die Menschen in Deutschland ernähren sich gesünder, rauchen weniger und treiben mehr Sport. Das zeigen die Ergebnisse der großen RKI-Studie "Gesundheit in Deutschland". Allerdings gibt es nicht nur Positives zu vermelden.

BERLIN. Immer mehr Menschen achten auf ihre Gesundheit: Das ist eines der Ergebnisse der GEDA-Welle 2012 ("Gesundheit in Deutschland aktuell"), teilt das Robert Koch-Institut (RKI) mit.

Seit der ersten Befragung 2003 sei zum Beispiel die Rauchquote bei Frauen und Männern zurückgegangen und die Sportbetätigung gestiegen.

Dieser Trend hat sich zwischen 2010 und 2012 nochmals deutlich fortgesetzt, heißt es in der Mitteilung des Instituts. Im Jahr 2012 rauchten 24 Prozent der Frauen (29 Prozent in 2003) und 31 Prozent der Männer (38 Prozent in 2003).

Allerdings habe in diesem Zeitraum auch die Verbreitung einiger chronischer Krankheiten zugenommen - zum Teil wegen des gestiegenen Anteils älterer Menschen in der Bevölkerung.

So sei der Anteil von Männern mit Arthrose von 16 Prozent in 2003 auf 20 Prozent in 2012 gestiegen, der Anteil von Frauen mit Arthrose von 23 auf 28 Prozent.

Bei der GEDA-Welle 2012 des RKI sind von Februar 2012 bis März 2013 insgesamt 19 294 Teilnehmer aus allen Regionen befragt worden.

Die Daten geben ein umfassendes Bild des Gesundheitszustands, der Einflussfaktoren auf die Gesundheit sowie der Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems. Durch den Vergleich mit früheren Erhebungen lassen sich Trends abschätzen.

Die Ergebnisse der 33 Themen (Indikatoren) werden in Faktenblättern dargestellt. Die Faktenblätter sind auf der Internetseite des RKI abrufbar, zum Beispiel in der Rubrik Gesundheit A-Z. (eb)

Der GEDA-Bericht kann kostenlos beim RKI bestellt werden und auf www.rki.de als Pdf-Datei heruntergeladen werden .

[11.12.2014, 22:32:16]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Gesund-betende Hofberichterstattung beim RKI-Gesundheitsmonitoring?
Titel-Korrektur bei Konzentrationsschwäche nach vollem Praxis-Tag! zum Beitrag »
[11.12.2014, 22:16:29]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Gesund-betende Hofberichterstatung beim RKI-Gesundheitsmonitoring?
Stellen Sie sich vor, verehrte Leserinnen und Leser der Ärzte Zeitung (ÄZ), Ihnen würde die folgende Frage gestellt: "Wie ist Ihr Gesundheitszustand im Allgemeinen? Ist er sehr gut, gut, mittelmäßig, schlecht oder sehr schlecht?"

Und stellen Sie sich weiter vor, Sie würden mit den nun folgenden Fragenkomplexen konfrontiert werden (ich zitiere):
? Subjektive Gesundheitswahrnehmung
? Risikofaktoren und gesundheitsrelevantes Verhalten
? Krankheitsgeschehen
? Unfälle/Verletzungen
? Funktionelle Beeinträchtigung
? Psychische Gesundheit
? Inanspruchnahme von Leistungen des Gesundheitssystems
? Impfungen
? Gesundheitsbezogene Ressourcen und Belastungen
? Soziodemografische Merkmale
(Zitat Ende).

Wenn Sie einigermaßen intelligent sind, würden Sie dann nicht auch um des lieben Friedens willen Ihre eigenen Antworten eher beschönigen: Ihr extremes Übergewicht verschweigen, an chronische und progressive Erkrankungen, degenerative Krankheiten, Behinderungen, Missbildungen, Ess- und Verhaltens-Störungen, Venenleiden, Geschlechtskrankheiten, HIV-Verdacht, Haschisch-Konsum, Alkohol-Exzesse, Kettenrauchen, Impfverweigerung, Hypercholesterinämie, Hypertonus, KHK, Herzrhythmusstörungen, Diabetes, Schlaganfall, zerebrale Krampfanfälle, Synkopen, depressive Episoden, seelische Ausraster, aggressiven Triebdurchbrüche, Übersprunghandlungen, riskante Sexualpraktiken, Medikamentenabhängigkeit, leichtsinnige Unfälle, Risikosportarten und Selbstbeschädigungen eher n i c h t erinnert werden wollen, selbst wenn das alles gar nicht zu Ihrer eigenen Gesundheits- und Krankheits-Biografie passen würde?

Und wenn Sie dann im Detail und in Zusammenfassungen der RKI-Gesundheitsberichterstattung lesen würden, dass bei der Befragung von "9.976 Frauen und 9.318 Männer im Alter von 18 bis zu 99 Jahren" vollkommen willkürliche, statistisch nicht nachvollziehbare Einteilungen nach Altersgruppen vorgenommen wurden, wären Sie dann nicht auch skeptisch in Bezug auf unglaublich beschönigende, gesundheits- und fitness-verherrlichende Ergebnisse einer riesigen Menschengruppe von "insgesamt 19.294 Personen aus allen deutschen Regionen"?

Die befragten Altersgruppen waren im Einzelnen:
"18 – 29 Jahre
30– 44 Jahre
45 –64 Jahre
ab 65 Jahre" alt.
Man hat also allen Ernstes Lebensspannen von 12 Jahren (18-29), 15 Jahren (30-44), 20 Jahren (45-65) und 35 Jahren (65-99) für ohne weiteres statistisch vergleich- und interpretierbar gehalten?

Unbeschadet der in der ÄZ detailliert zusammen gefassten Befragungsergebnisse und Interpretationen der RKI-Autoren/-innen bleibt mein persönliches Fazit bei dieser RKI-Gesundheitsberichterstattung, dass es hier keineswegs um die Erfassung von Krankheit, Teilhabeverlust und bio-psycho-soziale Einschränkungen, Behinderungen, Siechtum mit der Endlichkeit allen Lebens gegangen ist. Sondern damit eher eine den hervorragenden Gesundheitszustand aller Untertanen beschwörende Hofberichterstattung zelebriert werden sollte.

Denn die befragten Menschen haben offensichtlich nicht das geringste mit denjenigen zu tun, die wir tagtäglich in Haus- und Fach- bzw. Spezialarzt-Praxen als Patientinnen und Patienten sehen, befragen, untersuchen, diagnostizieren, behandeln, heilen oder lindern sollen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
(Quellenangaben nach http://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsB/GEDA12.pdf?__blob=publicationFile) zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Was neue Onkologika den Patienten tatsächlich bringen

Ist das Glas halb voll oder halb leer? Neue Onkologika haben die Überlebenszeit von Krebspatienten in den vergangenen zwölf Jahren im Schnitt um 3,4 Monate verlängert. Dieser Vorteil geht oft zulasten der Sicherheit. mehr »

Kassen und KBVdrücken aufs Tempo

Bisher trat die Selbstverwaltung bei der Digitalisierung eher als Bremser auf. Bei den Formularen geben KBV und Kassen jetzt Gas: Im Juli kommt der digitale Laborauftrag. mehr »

"Weiterbildung auch mit Kind zügig möglich - im Verbund!"

Eine strukturierte Weiterbildung, die auch mit Elternzeit nur sechs Jahre dauert? Das ist möglich, sagt Dr. Sandra Tschürtz. Die angehende Allgemeinmedizinerin steht vor ihrer Facharztprüfung – und blickt für die "Ärzte Zeitung" auf ihre Zeit in einem Weiterbildungsverbund zurück. mehr »