Ärzte Zeitung, 19.01.2016

Wetterextreme

Klimawandel und Gesundheit hängen unmittelbar zusammen

Der UN-Weltklimavertrag von Paris steht. Jetzt müssen die Länder selbst aktiv werden. Deutschland, allen voran das Umweltbundesamt (UBA), bastelt bereits seit einiger Zeit an Anpassungsmaßnahmen an die gesundheitlichen Risiken des Klimawandels.

Von Martina Merten

Klimawandel und Gesundheit hängen unmittelbar zusammen

Der Klimawandel richtet weltweit Schäden an, die sich auf die Gesundheit der Menschen niederschlagen.

© dpa

BERLIN. Der Dezember war das beste Beispiel: Am Heiligen Abend kletterte das Thermometer im rheinischen Köln auf satte 18 Grad. Keine zehn Tage später sank es im Osten Deutschlands auf minus 15 Grad.

Solche Schwankungen werden zunehmen, ergab eine Analyse des Umweltbundesamtes (UBA) aus dem Jahr 2015. Und nicht nur das: Die zukünftige Belastung durch hohe Temperaturen wird sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mehr als verdoppeln.

"Die Wahrscheinlichkeit für Extremwetterereignisse steigt", unterstreicht Dr. Hans-Guido Mücke, Mitarbeiter der Abteilung für Umwelthygiene beim UBA, im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung".

Für wichtig, insbesondere für Ärzte, hält es der Wissenschaftler, Patienten noch stärker als bislang mit Tipps zum Umgang mit Extremwettereignissen zu versorgen.

"Von allen Effekten, die der Klimawandel nach sich zieht, sind die Auswirkungen von Hitze auf die Gesundheit am bedeutsamsten", ist Mücke überzeugt, der auch das WHO Zentrum zur Überwachung der Luftqualität und Bekämpfung der Luftverschmutzung beim UBA leitet.

Handlungsempfehlungen erarbeitet

Handlungsempfehlungen und Anpassungen an den Klimawandel spielten beim Umweltbundesamt lange vor Unterzeichnung des Weltklimavertrags von Paris eine Rolle.

2010 hatte das Robert Koch-Instituts (RKI) einen Sachstandsbericht "Klimawandel und Gesundheit" herausgebracht. Darin hatten die Autoren wesentliche Erkenntnisse zu Auswirkungen des Klimawandels auf die menschliche Gesundheit zusammengetragen.

Das Bundesgesundheitsministerium und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit beauftragten im Anschluss daran das RKI und das UBA mit der Erarbeitung von Handlungsempfehlungen für Behörden und weitere Akteure in Deutschland zur Anpassung an den Klimawandel.

Darin definierten die Wissenschaftler sechs Felder, in denen gezieltes Handeln erforderlich ist.

Monitoringsysteme gefragt

Eines davon: Die Stärkung der Aus-, Fort- und Weiterbildung, auch von Ärzten. Wünschenswert, so die Wissenschaftler, seien mehr Projekte nach dem Vorbild der Klimaanpassungsschule an der Charité, an der Ärzte über E-Learning-Einheiten die Möglichkeit haben, sich zu Themen wie "Auswirkungen der Hitzewelle", "Auswirkungen von UV-Strahlungen auf die Haut" oder "Veränderungen im Pollenflug in Deutschland und Europa" fortzubilden.

Ein weiteres Feld: die Weiterentwicklung von Gesundheits- und Umweltmonitoringsystemen, die ein frühzeitiges Erkennen möglicher Gesundheitsgefahren ermöglichen.

Vorbildhaft hier ist das Hitzewarnsystem, das der Deutsche Wetterdienst in Folge des massiven Hitzesommers 2003 und der damit einhergehenden Todesfälle etablierte.

Wichtig war es dem UBA auch herauszufinden, welche Anpassungsmaßnahmen an die gesundheitlichen Risiken des Klimawandels in Deutschland bereits entwickelt wurden.

Die Ergebnisse der 2013/14 durchgeführten Recherche im Auftrag des BMG sind in einer Datenbank zusammengefasst.

Nach Ansicht von Mücke beispielhaft hierfür ist das "Hitzetelefon Sonnenschirm" in Hessen. Ziel dieses Projekts ist es, ältere, kranke und gefährdete Menschen im Kurhessischen Diakonissenhaus persönlich für die Gefahren bei Hitzewarnstufe 2 zu sensibilisieren.

Das Projekt war Teil der "KLIMZUG"-Kampagne (BMBF-Fördermaßnahme "Klimawandel in Regionen Zukunftsfähig gestalten") des Landes Hessen. In den nächsten Jahren wird es Mücke zufolge darum gehen, die vielen Empfehlungen anzupassen und auf ihre Umsetzung hin zu überprüfen.

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