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Ärzte Zeitung online, 19.01.2016

Berlin

Kinderschutz-Ambulanzen unterstützen Pädiater

In fünf Kliniken werden in der Hauptstadt Kinderschutzambulanzen etabliert. Sie sind Ansprechpartner für Pädiater und Mitarbeiter in der Jugendhilfe und sollen bei der Abklärung von Verdachtsfällen helfen.

Von Angela Mißlbeck

BERLIN. Der Senat von Berlin verstärkt das Netzwerk Kinderschutz. Er hat jetzt mit fünf Kliniken die Einrichtung von regionalen Kinderschutzambulanzen vereinbart.

Die Kinderschutzambulanzen sollen unter anderem ambulant tätige Kinderärzte unterstützen, wenn es um die Beurteilung von Kindesmisshandlungen und die Sicherung gerichtsfester Beweisunterlagen geht.

Sie wenden sich an alle Fachkräfte, die mit Kindern und Jugendlichen beruflich zu tun haben. Dazu zählt der Senat neben den Kinderärzten und den Mitarbeitern im Sozialwesen explizit auch Mitarbeiter in den Kinder- und Jugendpsychiatrien, Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten sowie den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Diensten.

Zusätzliche Stelle für Koordinierung

Die Kinderschutzambulanzen mit Senatsförderung entstehen an den Kliniken Charité Campus Virchow, DRK Berlin-Westend, Helios Berlin-Buch und Vivantes Neukölln. Das St. Joseph Krankenhaus Tempelhof wirkt überwiegend auf der Basis einer Drittmittelförderung mit.

Die Ärzte der Kinderschutzambulanzen helfen bei der Klärung von Verdachtsfällen auf alle Formen von Kindeswohlgefährdung, wie etwa Misshandlung oder Vernachlässigung.

Die Kliniken, an denen die Ambulanzen entstehen, verfügen - wie drei weitere Krankenhäuser in Berlin - bereits über interdisziplinäre Kinderschutzgruppen im Rahmen des 2007 gegründeten Netzwerks Kinderschutz. Für die Kinderschutzambulanz wird jeweils zusätzlich eine im Kinderschutz erfahrene Kinderkrankenpflegekraft zur Koordinierung eingestellt.

Der Berliner Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) begrüßt die Einrichtung der Ambulanzen. "Wir sind überzeugt, dass die Kinderschutzambulanzen ein wichtiger Baustein sind. Das zeigen die Erfahrungen aus anderen Bundesländern", sagte Verbandssprecher Jakob Maske.

Er kritisierte jedoch die fehlende Finanzierung für Kinderschutzaufgaben in der ambulanten Versorgung. "In der ambulanten Medizin ist der Kinderschutz nicht bezahlt. Gemacht wird er trotzdem - dank des Engagements der niedergelassenen Kinderärzte", sagte Maske.

1,2 Millionen Euro für zwei Jahre

Die Einrichtung der Ambulanzen ist im Haushaltsplan der Landesregierung mit 1,2 Millionen Euro für 2016 und 2017 veranschlagt. Das Projekt wird ressortübergreifend von den Senatsverwaltungen für Gesundheit und Soziales, für Bildung, Jugend und Wissenschaft und für Justiz betreut. Die grundlegende Rahmenvereinbarung zwischen dem Land Berlin und den ausgewählten Kliniken ist Mitte Januar unterzeichnet worden.

"Der Kinderschutz in Berlin ist mit den fünf Kinderschutzambulanzen seit heute ein großes Stück vorangekommen", so Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) bei der Unterzeichnung.

Mit den Ambulanzen werde eine unverzichtbare ärztliche Expertise zum medizinischen Kinderschutz zur Verfügung gestellt. Czaja hofft auch, dass dadurch Kinder- und Jugendhilfe mit dem Gesundheitssystem noch enger verknüpft werden.

Berlins Jugendsenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte: "Mit den Kinderschutzambulanzen entsprechen wir einer wichtigen Forderung von Fachleuten, das Gesundheitssystem stärker in den Kinderschutz einzubinden." Sie zeigte sich überzeugt, dass die Ambulanzen dazu beitragen, dass Misshandlungen und Vernachlässigungen von Kindern künftig noch früher erkannt werden können.

Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) erhofft vor allem Fortschritte für die gerichtsfeste Dokumentation von Kindesmisshandlungen. "Das hilft nicht nur den Jugendämtern und Familiengerichten bei der Einschätzung des Falles, sondern auch bei der Überführung mutmaßlicher Straftäter", sagte Heilmann.

Mehr als 6000 Kinder in Berlin waren im Jahr 2014 laut Statistik der Gefahr von Misshandlungen ausgesetzt. Insgesamt prüften die Behörden in Berlin über 11.000 Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdungen in der Hauptstadt.

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