Ärzte Zeitung, 11.02.2016

Qualität im Gesundheitswesen

"Wettbewerb fristet nur Schattendasein"

Mehr Qualität im Gesundheitswesen gibt es nur bei mehr Wettbewerb, sagt der Gesundheitsweise Greiner.

SCHWERIN. Um die Behandlungsqualität im deutschen Gesundheitswesen zu verbessern, müsste nach Einschätzung von Professor Wolfgang Greiner mehr Wettbewerb ermöglicht werden.

Das Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen sieht den Wettbewerb um Qualität im Vergleich zum Mengen- und Preiswettbewerb zu schwach ausgeprägt. "Er führt ein Schattendasein", sagte Greiner auf einem Gesundheitssymposium der Konrad-Adenauer-Stiftung in Schwerin.

Der Bielefelder Gesundheitswissenschaftler hat außerdem beobachtet, dass die Diskussion um ärztliche Behandlungsqualität in aller Regel losgelöst von Honorarfragen geführt wird - was er für problematisch hält.

Denn: "Die Qualität lässt sich innerhalb eines Budgets nur bis zu einem gewissen Grad steigern." Ein weiteres Hindernis für mehr Qualität im Gesundheitswesen sieht Greiner in der Trennung der Sektoren. Über Qualität entscheide aber nicht allein die einzelne Therapie bei einem Leistungserbringer, sondern auch die Abstimmung zwischen den beteiligten Ärzten und Kliniken, gab er zu bedenken.

Von den Regelungen im Krankenhausstrukturgesetz erwartet Greiner unter dem Strich eine positive Wirkung für die Qualität. Er lobte unter anderem die Möglichkeit der Qualitätszu- und -abschläge, eine rechtswirksame Ausgestaltung der Mindestmengenregelung und die Verpflichtung der Krankenhäuser, ihre Qualitätsberichte patientenfreundlicher zu gestalten.

Um zu einem patientenfreundlichen Qualitätswettbewerb zu kommen, brauche es aber Alternativen für die Patienten, sagte Greiner - und die Auswahl an Kliniken sei in einigen Regionen schon heute sehr begrenzt: "Wie soll man ein Krankenhaus aus dem Plan nehmen, wenn es keine Alternative gibt?"

Stefan Fiedler, Krankenhausdirektor beim Klinikträger Ameos, sieht die Krankenhäuser auch in abgelegenen Regionen in einem Wettbewerb. "Natürlich stimmen die Patienten mit den Füßen ab. Natürlich schauen die einweisenden Ärzte auf unsere Behandlungsergebnisse. Die Meinung der niedergelassenen Ärzte über unsere Qualität merken wir am Einweisungsverhalten", sagte Fiedler.

Zugleich verwies er auf eine seit Jahren anhaltende Entwicklung. In den vergangenen Jahren habe die Qualität "Fahrt aufgenommen", sagte Fiedler unter Hinweis auf QM-Beauftragte, QM-Systeme, Qualitätszirkel und Qualitätsberichte. Dies alles habe dazu geführt, dass heute Verwaltungschefs mit ihren Chefärzten selbstverständlich auch über Qualität reden - was früher undenkbar gewesen sei. Sein Fazit: "Wir erleben es nicht so, dass nichts passiert." (di)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »