Ärzte Zeitung, 12.04.2016

Kliniken

Risiko-Management wird zunehmend wichtiger

Dauernde Personalengpässe und die stetig steigende Zahl älterer multimorbider Patienten erhöhen die Risiken bei der Behandlung im Krankenhaus. Qualitätsmanagementsysteme können helfen, manchen Fehler zu vermeiden.

Von Andreas Kindel

KIRKEL.. Das Risiko-Management wird für deutsche Krankenhäuser immer wichtiger. Darauf hat der saarländische Ärztekammer-Präsident Dr. Josef Mischo zum Auftakt eines bundesweiten Treffens von rund 100 Qualitäts-Management-Beauftragten kürzlich im saarländischen Kirkel hingewiesen.

Die Kliniken hätten es vor allem aus zwei Gründen mit mehr Risiken zu tun. Zum einen führe der Personalmangel dazu, dass weniger mit den Patienten gesprochen werde und dadurch Probleme unerkannt blieben. Zum anderen habe man es mit immer älteren und immer kränkeren Patienten zu tun, die oft zahlreiche Medikamente benötigen. Dadurch steige die Gefahr unerwünschter Interaktionen.

Interesse an Zertifizierung steigt

Mischo ist einer der Initiatoren des "QM-Netzwerks", eines freiwilligen Verbundes von Qualitätsmanagement-Beauftragten und -Verantwortlichen deutscher Kliniken, die jetzt im Saarland zu ihrem mittlerweile 30. Treffen zusammenkamen.

Bei der Gründung 2002 zunächst nur für den Erfahrungsaustausch an der Saar gedacht, gehören dem Verbund mittlerweile 700 Personen aus mehreren hundert Kliniken aus ganz Deutschland an. Ihr gemeinsames Ziel: Die Qualität in ihren Häusern zu verbessern.

Schwerpunktthema des Treffens dieses Mal waren Zertifizierungen. Die Kliniken müssen für Qualitäts-Management sorgen, die Zertifizierungen sind aber keine Pflicht, sondern eher ein Gütesiegel. Eine Möglichkeit dafür ist das Siegel der "Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen" (KTQ).

Die Kooperation wurde von Krankenkassen, Kliniken, Bundesärztekammer und Deutschem Pflegerat ins Leben gerufen. Josef Mischo ist dort seit drei Jahren Vorsitzender der Gesellschafterversammlung.

Wie der Qualitätsmanager der Kliniken der Stadt Köln, Carsten Thüsing, berichtete, werden die Krankenhäuser bei KTQ in sechs Kategorien mit rund 600 Themen überprüft - von Sicherheit, über Patienten- und Mitarbeiterorientierung bis zum Qualitätsmanagement.

Bundesweit seien mittlerweile rund 400 Kliniken KTQ-zertifiziert. Große Kliniken mit 1500 Betten müssten für das drei Jahre geltende Siegel etwa 50 000 Euro zahlen, bei kleinen Häusern sei es weniger als die Hälfte.

Politik hat Klinik-Qualität im Visier

Zahlt sich die Zertifizierung für die Kliniken denn aus? "Man hat keinen schnellen Effekt, aber langfristig zahlt sich das schon aus", meinte Stephan Jatzkowski, Anästhesist und Qualitätsmanager im Diakonissenkrankenhaus Flensburg.

Das könnte zum Beispiel schon bald der Fall sein, wenn nach der neuen Krankenhausreform die Honorierung auch von der Qualität der Behandlung abhängig gemacht wird. Die genauen Qualitätskriterien stehen noch nicht fest.

Die Qualitätsbeauftragten der Kliniken hatten bei ihrem Treffen in Kirkel aber einige Vorschläge: "Es sollte berücksichtigt werden, was eine Klinik ins Qualitäts-Management investiert", meinte Josef Mischo.

Für Carsten Thüsing müsste auch die Patientensicherheit ein Kriterium sein. Ein Pluspunkt ist es für ihn, wenn in Kliniken in Mortalitätskonferenzen auch offen über Fehler gesprochen wird. Und die Projektmanagerin Sonja Holzäpfel, die Kliniken bei der Zertifizierung unterstützt, hält auch einen Personalschlüssel für ein wichtiges Kriterium.

Ärztekammer-Präsident Mischo machte auch den kleinen Kliniken Mut, dass sie die Krankenhausreform überstehen können. "Die kleinen Häuser müssen nicht notwendigerweise schließen", erklärte er. Ein Ausweg seien Verbundlösungen und Zentrumsbildungen. "Nur wer als kleines Haus alles selbst machen und mit niemandem kooperieren will", so Mischo, "der hat ein Problem".

Außerdem ist nach Mischos Ansicht die Qualität der Behandlungen in den Krankenhäusern - anders als oftmals dargestellt - in den vergangenen zehn Jahren deutlich besser geworden. Als Beispiel nannte er die Oberschenkelhalsfrakturen. Sie würden heute sehr viel schneller operiert als noch vor zehn Jahren. Im Saarland werde in über 90 Prozent der Fälle inzwischen binnen 24 Stunden operiert.

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