Ärzte Zeitung, 28.04.2008

Arzneitherapie: Arzt soll entscheiden

Repräsentativ-Umfrage unter Bürgern und Ärzten zeigt Skepsis über staatliche Vorgaben

BERLIN (HL). Die Bundesbürger wünschen sich eine starke Autonomie des Arztes bei der Verordnung von Arzneimitteln. Nur Minderheiten befürworten, dass ein staatliches Institut, die Politiker durch Richtlinien oder die Krankenkassen selbst entscheiden, welche Medikamente ein Patient bezahlen soll.

Für die Bürger ist klar: Bei Arzneien sollten Ärzte das letzte Wort haben.

Das ist das Ergebnis einer Repräsentativumfrage unter 1003 Bürgern von TNS Emnid im Auftrag des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller vor dem Hintergrund der aktuellen Debatte um die Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln.

Diese Kosten-Nutzen-Bewertung durch das IQWiG kann dazu führen, dass der Bundesausschuss Arzneimittel ausschließt oder Verordnungsmöglichkeiten einschränkt oder dass Krankenkassen Höchstbeträge festsetzen. Dies wird von den Bürgern mit Skepsis gesehen.

Der Arzt soll entscheiden, welche Medikamente die Kassen bezahlen sollen - das sagt im Schnitt etwa jeder Zweite. Vor allem Ältere über 60 Jahre, die häufig Arzneimittel brauchen, plädieren zu 63 Prozent für eine starke Autonomie des Arztes.

Aus der Sicht der Bürger soll die Wirksamkeit eines Medikaments entscheidend sein, ob es die Kassen bezahlen. 86 Prozent sagen dies. Nur zehn Prozent meinen, es komme auf die Kosten an. Ärzte selbst sehen das anders, wie aus der Emnid-Umfrage hervorgeht: Für 62 Prozent sind auch Therapiekosten bedeutsam. Eine Mehrheit akzeptiert, dass auch die Ökonomie bei der Gesundheitsversorgung eine Rolle spielt - möchte dabei aber in der Therapie autonom bleiben.

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