Ärzte Zeitung online, 11.12.2008

BAH wirbt bei Ärzten für grünes Rezept

BONN (dpa). Dem Verkaufsrückgang bei rezeptfreien Arzneien, die nicht von den gesetzlichen Krankenkassen gezahlt werden, will der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) mit dem grünen Rezept begegnen.

Das kündigte der BAH-Vorsitzende Hans-Georg Hoffmann am Donnerstag in Bonn an. Die so von Ärzten verschriebenen Medikamente müssten die Patienten aber weiter selbst bezahlen. Vor vier Jahren wurden fast alle rezeptfreien Arzneien aus dem Leistungskatalog gesetzlichen Krankenkassen gestrichen. Die Zahl der ärztlichen Verordnungen solcher Medikamente ging um mehr als 50 Prozent zurück. Mit dem vom Arzt auszustellenden grünen Rezept soll diesem Trend begegnet werden.

Wenn früher rezeptfreie Arzneien von der Erstattung durch die Kassen ausgenommen worden seien, dann habe sich das auf den Umsatz dieser Präparate kaum ausgewirkt, sagte Hoffmann. Diesmal aber verzichteten die Verbraucher in einer Größenordnung von mehr als 100 Millionen Packungen pro Jahr auf die weitere Verwendung dieser Medikamente.

Der Glaube an den therapeutischen Nutzen rezeptfreier Präparate sei erschüttert worden, weil sie aus dem Erstattungskatalog gestrichen worden seien, sagte Hoffmann. Das habe eine Studie seines Verbandes ergeben. Dieser Vertrauensverlust und die damit verbundenen Umsatzrückgänge ergäben sich, weil der Arzt diese Mittel nicht mehr verschreibe und damit als "Gewährinstanz" wegfalle. Das Vertrauen solle nun durch die auf dem grünen Rezept schriftlich festgehaltene Empfehlung des Arztes wieder gestärkt werden. Auch der Gesetzgeber erkenne rezeptfreie Arzneimittel bei bestimmten Indikationen als medizinisch und therapeutisch sinnvoll an.

Praktische Erfahrungen mit dem grünen Rezept sind bereits seit vier Jahren gesammelt worden. Die Formulare waren durch einige Arzneimittelhersteller an ausgewählte Ärzte verteilt worden. Es habe sich gezeigt, dass solche Verordnungen in den meisten Fällen auch zum Kauf der Präparate in der Apotheke geführt hätten. Nun will der BAH ab Januar Ärzten die Formulare für das grüne Rezept zur Verfügung stellen.

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