Ärzte Zeitung online, 16.02.2009

"Pharmakonzerne müssen Wettbewerb mit Generika zulassen"

BERLIN (dpa). Das Angebot billigerer Medikamente allein reicht nach Ansicht der Organisation von Ärzte ohne Grenzen zur Versorgung der Menschen in armen Ländern nicht aus. Viel effektiver als ein Preisnachlass sei, wenn die großen Pharmaunternehmen den Wettbewerb mit preiswerten Nachahmerprodukten zulassen würden.

Das sagte Sprecher Oliver Moldenhauer nach Angaben der Hilfsorganisation vom Montag in Berlin. Dadurch könnten die Preise "in vielen Fällen um bis zu 99 Prozent fallen". Der weltweit zweitgrößte Pharmakonzern GlaxoSmithKline (GSK) hatte am Wochenende angekündigt, seine Medikamentenpreise in diesen Ländern deutlich zu senken (wir berichteten). Außerdem sollen einige Patente in einem Pool für andere Forscher zugänglich gemacht werden.

Das britische Unternehmen will in den 50 ärmsten Ländern der Welt unter anderem Aids-Medikamente zu einem Viertel des Preises anbieten. Moldenhauer sagte, viele Menschen in armen Ländern verdienten weniger als einen US-Dollar pro Tag. Für sie blieben die reduzierten Medikamente weiter unerschwinglich. Durch die Beschränkung auf die 50 ärmsten Länder profitierten die Menschen in einer großen Zahl von Staaten, wie etwa Indien und Brasilien, nicht von den Preissenkungen. Moldenhauer kritisierte weiter, dass GSK Aids-Medikamente ausdrücklich aus dem Patent-Pool ausschließe.

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