Ärzte Zeitung online, 06.03.2009

Bundesrat gegen Arzneimittelwerbung

BERLIN (nös). Der Bundesrat hat sich am Freitag gegen Teile des europäischen Pharmapaketes ausgesprochen. Auf Ablehnung stößt vor allem die geplante Regelung, wonach Pharmaunternehmen Werbung für rezeptpflichtige Arzneimittel verbreiten dürften, teilte die Länderkammer in Berlin mit.

Das Pharmapaket hatte Industriekommissar Günter Verheugen im Dezember vorgestellt. Neben der Bekämpfung von Arzneimittelfälschungen und einem geplanten Umpackverbot, sieht der Richtlinienvorschlag Werbe- und Informationsmöglichkeiten für Hersteller vor (wir berichteten). Diese sogenannten Patienteninformationen sollen dem Entwurf zufolge von einer neuen europäischen Arzneimittelagentur geprüft werden.

In einer Stellungnahme lehnte der Bundesrat sowohl die Schaffung der Arzneimittelagentur als auch die Möglichkeit der Patienteninformationen ab. Die geplanten Regelungen halte man für falsch und überflüssig, hießt es. Weder sollten Pharmaunternehmen für verschreibungspflichtige Medikamente werben noch die breite Öffentlichkeit über die Medikamente informieren dürfen. Die Auswahl der verschreibungspflichtigen Medikamente obliege ausschließlich den Ärzten.

Zudem bezweifelt der Bundesrat, dass Hersteller objektive Informationen liefern würden. Denn Pharmaunternehmen hätten ein klares Absatzinteresse. Unabhängige Informationen seien deshalb von ihnen nicht zu erwarten. Für die Information der Patienten verweisen die Länder auf das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Dort würden "hochwertige qualitätsgesicherte Patienteninformationen" erstellt. Auch vor diesem Hintergrund sehe man keinen Bedarf an den geplanten europäischen Regelungen.

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