Ärzte Zeitung online, 06.05.2009

Grünes Licht für Rabattverträge der AOK

Deutschlands größter gesetzlicher Kassenverbund sieht sich am Ziel: Nach langem juristischen Tauziehen hat die AOK die Zuschläge für alle der insgesamt 63 patentfreien Wirkstoffe erteilt.

Von Thomas Hommel

Die AOK will mit den Rabattverträgen mehr als 500 Millionen Euro sparen.

Foto: Klaro

BERLIN. Die von der AOK geschlossenen Arzneimittelverträge haben eine Laufzeit von zwei Jahren und sind mit 22 Bietern der Pharma-Industrie geschlossen worden, teilte der Vorstandsvize der AOK Baden-Württemberg und Chefunterhändler für die AOK-Rabattverträge, Dr. Christopher Hermann, am Mittwoch in Berlin mit. Die Verträge gelten ab dem 1. Juni. Vorgesehen ist eine einmonatige Übergangsfrist. AOK-Versicherte erhalten in ihrer Apotheke dann nur noch das Medikament desjenigen Herstellers, mit dem die Kasse einen Rabattvertrag geschlossen hat.

Die AOK will über 500 Millionen Euro sparen

Möglich macht dies die Gesundheitsreform von 2007. Danach sind die Apotheken verpflichtet, die rabattierten Arzneimittel an die Patienten abzugeben. Derzei gibt es bundesweit etwa 6950 Rabattverträge, an denen nahezu alle Krankenkassen und etwa 120 Pharmafirmen beteiligt sind.

Von den Rabattverträgen profitierten vor allem die rund 25 Millionen AOK-Versicherten, sagte Hermann. Die Sicherheit der Arzneimittelversorgung werde durch die Verträge für sie erhöht. "Das Bäumchen-Wechsle-Dich-Spiel bei der Abgabe von Medikamenten hat eine Ende." Das Einsparpotenzial durch die Verträge bezifferte Hermann auf rund 512 Millionen Euro pro Jahr. Alle AOK-Versicherten würden über die Veränderungen in Broschüren und Versicherten-Magazinen informiert. Auch die Apotheken würden sich an der Aufklärungsarbeit beteiligen.

Verfügbarkeit - das ist der Schlüssel zum Erfolg

"Auf die Apotheken kommt ab Juni eine Menge Extra-Arbeit zu", erklärte Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes. Millionen Versicherte müssten auf neue Präparate umgestellt werden. "Wir müssen sicherstellen, dass Probleme mit der Therapietreue gar nicht erst auftreten". Ein weiterer Schlüssel zum Erfolg der Verträge sei die Lieferfähigkeit der Hersteller. Funktioniere das nicht, verliere der Patient das Vertrauen in seine Kasse.

Franz Knieps vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) sagte, die Rabattverträge hätten sich inzwischen bewährt. "Sie bleiben deshalb fester Bestandteil des Instrumentariums zur Senkung der hohen deutschen Arzneimittelpreise". Von den Krankenkassen erwarte er nun, dass sie das Einsparpotenzial der Rabattverträge "konsequent nutzen".

Zurückhaltender äußerte sich der Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA). Die Rabattverträge seien zwar der Einstieg in ein wettbewerbliches Gesundheitssystem, sagte VfA-Hauptgeschäftsführerin Cornelia Yzer der "Ärzte Zeitung". "Häufig greifen sie aber zu kurz, da sie nur den Preis in den Fokus nehmen."

Lesen Sie dazu auch:
Arzneimittel-Rabattverträge der AOK starten zum 1. Juni

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