Ärzte Zeitung online, 14.05.2009

Nach Apotheker-Protest: ZDF muss Testkauf-Bericht zurücknehmen

NEU-ISENBURG (run). Eine Woche, nachdem die Berichterstattung im ZDF über die schlechte Beratung in Apotheken bei Testkäufen eine Protestwelle in der Apothekerschaft ausgelöst hat, musste der Sender den Beitrag nun zurücknehmen.

Der Sender hat eine Unterlassungsverpflichtungserklärung unterschrieben und den Beitrag inzwischen auch aus seiner ZDF-Mediathek gelöscht. Auch gegen die Produktionsfirma video:arthouse aus Hannover erwirkte die Präsidentin der Apothekerkammer Niedersachsen, Magdalene Linz, eine Unterlassungsverpflichtungserklärung.

Linz hatte sich juristisch gegen zwei Dinge gewehrt. "Zum einen wurde in dem Beitrag über die angeblich schlechte Beratung in Apotheken ausschließlich der Name meiner Apotheke genannt", sagte Linz im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Zum anderen sei eindeutig der falsche Eindruck erweckt worden, dass der Testkauf einer Packung des Herzmittels Miroton und von Sennesblättern in ihrer Apotheke stattgefunden habe - und zwar ohne Beratung. Dieser Kauf habe aber nachweislich gar nicht in ihrer Apotheke stattgefunden.

"Ich hätte erwartet, dass gerade ein Sender des öffentlichen Rechts wie das ZDF nochmals zu einem solchen unsachlichen Bericht Stellung nimmt", so die Apothekerin. Leider sei die Rücknahme des Beitrags nach Unterzeichnung der Unterlassungsverpflichtungerklärung kommentarlos erfolgt.

Grundsätzlich hält Linz Apothekentests für ein sinnvolles Instrument. Schließlich würden auch von Seiten der Apothekerkammer eigene Testkäufe unterstützt. "Auch andere Institutionen haben natürlich das Recht, solche Tests zu machen - solange sie fair und sachlich sind", betont sie. Als Beispiel führt sie dabei den Test der Stiftung Warentest im vergangenen Jahr an. Die dabei inszenierte Wechselwirkungssituation sei realistisch gewesen.

Anders im ZDF-Beitrag: Die dort angeblich von Apothekern nicht erkannte Wechselwirkung gebe es nicht. Bestätigt wurde das auch durch eine intensive Literaturrecherche. So hat die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) in einer gutachterlichen Stellungnahme bestätigt, dass es keine klinisch relevante Wechselwirkung zwischen einer Dauermedikation mit Metoprolol und kurzfristig eingesetztem niedrig dosiertem Ranitidin gibt.

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