Ärzte Zeitung online, 01.07.2009

Kasse muss ADHS-Arznei für Erwachsene nicht bezahlen

KASSEL (mwo). Erwachsene mit der Konzentrationsstörung ADHS haben keinen Anspruch auf Medikamente mit dem Wirkstoff Methylphenidat. Mit diesem Urteil bekräftigte das Bundessozialgericht (BSG) in Kassel seine Rechtsprechung zum Off-Label-Use.

Das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktiv-Syndrom (ADHS) galt lange als Krankheit, die nur bei Kindern auftritt. Nach neueren Studien lebt die Krankheit aber bei jedem zweiten betroffenen Kind später im Erwachsenenalter wieder auf; insgesamt zwei bis vier Prozent aller Erwachsenen sollen betroffen sein. Medikamente mit Methylphenidat sind aber nur für Kinder und Jugendliche zugelassen.

Wie das BSG entschied, können Erwachsene das Mittel daher nicht von den Kassen beanspruchen. Trotz einer inzwischen abgeschlossenen Phase III-Studie ließen die bisherigen Forschungsergebnisse auch eine baldige Zulassung nicht erwarten; insbesondere fehle es an ausreichenden Untersuchungen zur Dosierung. Die vom Bundesgesundheitsministerium nach neuem Recht einberufene Expertengruppe sei zwar 2006 mit einer Prüfung des Off-Label-Use beauftragt worden, habe aber noch nicht entschieden.

In solchen Fällen, in denen auch nach neuem Recht eine Lücke bleibe, greife weiterhin die alte Rechtsprechung, so das BSG weiter. Mit einem Grundsatzurteil vom März 2002 hatten die Kasseler Richter Off-Label-Behandlungen nur zugelassen, wenn es bei besonders schweren Erkrankungen keine alternativen Therapien mehr gibt. Auch ein "Systemversagen" wegen überlanger Prüfdauer durch die Expertengruppe sah das BSG offenbar nicht. Dem gemeinsamen Bundesausschuss hatte es bislang fünf Jahre Zeit gegeben, um über Behandlungsmethoden zu entscheiden.

Der Kläger litt schon als Kind an ADHS, wurde aber im Alter von 19 Jahren erstmals mit Methylphenidat behandelt. Nach eigenen Angaben gab er monatlich zunächst 80 und inzwischen bei höherer Dosierung 126 Euro für das Medikament aus. Ein Vertreter der beklagten Techniker Krankenkasse sagte, die Kassen würden Versicherten, die bereits vor dem 18. Geburtstag erfolgreich mit Methylphenidat behandelt wurden, das Mittel in der Regel ein oder zwei Jahre weiter bezahlen - insbesondere dann, wenn die jungen Erwachsenen sich noch in der Ausbildung oder in Prüfungen befinden.

Urteil des Bundessozialgerichts, Az: B 1 KR 5/09/ R

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