Ärzte Zeitung, 07.12.2009

Arzneibetrug: Panikmache mit alten Daten

Am Ende seiner Amtszeit schlägt EU-Kommissar Verheugen Alarm wegen Arzneifälschungen - mit alten Daten.

Arzneibetrug: Panikmache mit alten Daten

In der EU sind viele gefälschte Medikamente im Umlauf.

Foto: © Daniel Fuhr / fotolia.de

BRÜSSEL (spe/HL). Innerhalb von zwei Monaten sollen die europäischen Zollbehörden 34 Millionen gefälschte Arzneimittel sichergestellt haben. Dies habe alle Befürchtungen übertroffen, sagte Günter Verheugen der Tageszeitung "Die Welt". Angesichts dieser Entwicklung rechne er damit, dass sich die EU im Laufe des kommenden Jahres auf stärkere Sicherheitsmaßnahmen für Medikamente einigen werde.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände nutzte die Alarmmeldung des Industrie-Kommissars unverzüglich, um erneut schärfere Kontrollen des Internetversandhandels zu fordern.

Die von Verheugen zitierten Zahlen stammen indes bereits vom Dezember vergangenen Jahres. Zwei Monate lang hatten die Zollbehörden der 27 EU-Mitgliedstaaten gezielt kontrolliert, um die Einfuhr illegaler Medikamente zu verhindern.

Die Aktion brachte nach Aussage des zuständigen Kommissars für Steuern und Zoll, László Kovács mit eben jenen 34 Millionen sichergestellten Produkte "spektakuläre Ergebnisse". Bei den sichergestellten Arzneimitteln handelte es sich um Antibiotika, Krebs- und Malariamedikamente, cholesterinsenkende Präparate sowie Schmerzmittel und Viagra.

Die Vermutung liegt somit nahe, dass sich Verheugen kurz vor Ende seiner Amtszeit offensichtlich als Anwalt der Patienten noch einmal positiv ins Gespräch bringen wollte.

Ursprünglich wollte Verheugen im Rahmen der bevorstehenden Novellierung des Arzneimittelrechts in der EU scharf gegen Fälschungen und Produktpiraterie vorgehen. Neben einer individuellen Kennzeichnung eines jeden Arzneimittels, das damit auf dem Weg vom Hersteller bis zum Endverbraucher lückenlos kontrolliert werden sollte, hatte Verheugen gefordert, jegliche Manipulationen an Arzneimittelverpackungen zu verbieten und zu bestrafen. Das hätte das Ende aller Parallelimporte bedeutet. Dessen war sich der Kommissar auch bewusst - allein fehlte ihm dafür aber die Durchsetzungskraft.

Tatsächlich nimmt das Ausmaß an Fälschungen - nicht nur bei Lifestyle-Arzneien - wohl zu. Als weitgehend sicher gilt der Bezug aus Apotheken, aber auch aus dem legalen Versandhandel. Ein wirkliches Risiko ist der illegale Internet-Handel. Das auffälligste Merkmal ist, dass hier rezeptpflichtige Arzneien ohne ärztliche Verordnung angeboten werden. Mitunter liegen die Preise auch über den Apothekenpreisen. Die Risiken sind vielfach: Arzneien ohne Wirkstoffe, unzureichende Dosierung, Überdosierung, Verunreinigungen. Der legale Versandhandel verlangt hingegen immer ein ärztliches Rezept.

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