Ärzte Zeitung online, 07.01.2010

600 Ärzte setzen sich für Sawicki als IQWiG-Chef ein

Offener Brief an Gesundheitsminister Rösler / Institutsvorstand muss über Vertragsverlängerung entscheiden

BREMEN (cben). Mehr als 600 Ärzte, Professoren und Player im Gesundheitswesen haben sich auf einer Unterschriftenliste für die Wiederwahl von Professor Peter Sawicki als Chef des IQWiG ausgesprochen. Die Aktion ist eine Initiative der Bremer Hausarztes Dr. Günther Egidi, der sich in einem offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler richtet.

zur Großdarstellung klicken

Mehr als 600 Ärzte, Professoren und Player im Gesundheitswesen haben sich für die Wiederwahl des IQWiG-Chefs Professor Peter Sawicki ausgesprochen.

Foto: © Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen

"Ich habe ganz allein diese bundesweite Unterschriften-Aktion gestartet und durchgeführt" berichtet Egidi. Eine größere Organisation als Initiatorin hätte es auf weit mehr Unterschriften gebracht, mutmaßt der Hausarzt. "Unter den Unterstützern, die alle innerhalb von acht Tagen unterschrieben haben, sind mehrheitlich Hausärztinnen und Hausärzte aus der ganzen Bundesrepublik - von Kiel bis Konstanz und von Leverkusen bis Sachsen, außerdem haben nahezu alle Leiter der allgemeinmedizinischen Fakultäten in Deutschland unterschrieben", so Egidi . Es sei ein Trugschluss, dass Sawicki bei den Ärzten unbeliebt ist und deshalb die Ärzte die Ablösung befürworteten, folgert der Hausarzt.

Die Unterschriften-Liste hat Egidi an Bundesgesundheitsminister Phillip Rösler geschickt, sowie an Stiftungsrat und -vorstand des IQWiG. Die Berichte des Institutes "sind für unsere tägliche Arbeit unentbehrlich", heißt es in dem Anschreiben. Sawickis "Ablösung an der Spitze des IQWiG würde der internationalen Vernetzung des Institutes wie auch der deutschen medizinischen Wissenschaft insgesamt schweren Schaden zufügen." Sawicki sei unabhängig, verfüge über große Reputation und stehe gerade für die Interessen der Patienten. "Wir als Hausärzte brauchen solche unabhängigen Informationen", betont Egidi.

Im November vergangenen Jahres berichtete der "Spiegel", Sawicki solle nach dem Willen einiger Koalitionspolitiker abgelöst und das IQWiG wirtschaftsfreundlicher aufgestellt werden. Sawickis Fünfjahres-Vertrag läuft in diesem Jahr aus. Eine Bestätigung müsste durch den IQWiG-Vorstand erfolgen.

Als Sawicki-kritisch gilt dort der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Georg Baum, der auch der FDP angehört. Ferner haben der Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Stefan Kapferer, eine Stimme, darüber hinaus zwei Vertreter der Kassen und der Vertreter der KBV.

Lesen Sie dazu auch:

Wird Peter Sawicki als Leiter des Prüfinstituts IQWiG abgelöst?
"Bei Ärzten sollte Therapie, nicht Ökonomie dominieren"
Das IQWiG bleibt bei seiner Methodik - trotz Schwächen
Hypertonie-Experten stört der Tonfall des IQWiG

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Meilensteine und Stolpersteine

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Antibiotika gegen Rückenschmerzen

Verursachen Bakterien heftige Bandscheiben-Beschwerden? Für Forschungen zur Behandlung von Rückenschmerzen mit Antibiotika wurde jetzt der Deutschen Schmerzpreis verliehen. mehr »

QuaMaDi wird fortgesetzt

Aufatmen im Norden: KV und Kassen haben sich auf den Fortbestand des Brustkrebsfrüherkennungsprogramm QuaMaDi geeinigt. mehr »

Ethikrat sucht nach dem goldenen Mittelweg

Wann ist eine medizinische Zwangsbehandlung fürsorglicher Schutz, wann ein unangemessener Eingriff? Diesen Fragen widmet sich aktuell der Deutsche Ethikrat. mehr »