Ärzte Zeitung, 12.02.2010

Pharmaverband betont Risiken durch Rabattverträge

Eine neue Studie liefert deutliche Hinweise, dass Arzneiwechsel - bedingt durch Rabattverträge - sich ungünstig auf den Therapieerfolg und die Compliance auswirken.

Von Ruth Ney

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Der Austausch eines gewohnten Präparates gegen ein Rabattvertrags-Medikament macht einigen Patienten echte Probleme. © Klaro

BONN. In einer aktuellen Untersuchung hat das Marktforschungsinstitut IMS Health den Einfluss von Rabattverträgen auf den Versorgungsalltag bei Patienten untersucht, die mit Lipidsenkern, Antidepressiva oder Insulin behandelt werden. Bei den drei analysierten Therapiegebieten waren signifikante Veränderungen im Hinblick auf die Verträglichkeit der Präparate nach einem Verordnungswechsel zu beobachten, wie der Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) berichtet, der die Studie in Auftrag gegeben hat. Einige wichtige Ergebnisse:

  • Die Cholesterinsenkung bei Patienten, die bedingt durch Rabattverträge das Medikament wechselten, war geringer als bei Kranken, die weiter das vertraute Präparat erhielten. Bei einem Simvastatin-Wechsel vergrößerte sich der Verordnungsabstand um 12 Tage - ein Indiz für eine weniger regelmäßige Einnahme. 12,3 Prozent der Lipidsenker-Patienten wechselten wieder auf das alte Präparat.
  • 5,2 Prozent der Patienten mit einem Antidepressivum hatten Probleme mit der rabattierten Arznei und wurden wieder auf das ursprüngliche Präparat umgestellt. Nach dem Wechsel erhielten 50 Prozent der Patienten keine Folgeverordnung mit der gleichen Substanz - dem BAH zufolge ein möglicher Hinweis auf Therapieabbrüche.
  • Über sechs Prozent der Diabetiker hatten Probleme nach einem Wechsel und wurden wieder auf das ursprüngliche Insulin eingestellt. In der Gruppe mit rabattiertem Insulin stieg der Nüchtern-Blutzucker innerhalb von drei Monaten deutlich.

Für die Untersuchung wurde eine repräsentative Patientenzahl mit Hilfe des IMS® Disease Analyzer ausgewertet, der auf Daten von über zwölf Millionen Patienten, darunter Konsultationsdaten von über 3000 Ärzten zugreift. Die drei Therapiegebiete seien wegen des Verordnungsvolumens und der starken ökonomischen Bedeutung gewählt worden, so Dr. Uwe May, der mit Cosima Kötting die Studie koordiniert hat. Außerdem könnten hier Änderungen des Therapieerfolgs schnell erfasst werden.

Außer den therapeutischen Folgen durch einen Arzneiwechsel sollen nun auch die ökonomischen untersucht werden, die etwa durch vermehrte Arztbesuche oder gar Krankenhauseinweisungen entstehen. "Diese Daten können uns wichtige Argumente liefern beim Vergleich von Einsparungen zu Folgekosten durch Rabattverträge", so May.

Mehr zur Studie unter www.bah-bonn.de

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