Ärzte Zeitung online, 12.03.2010

Pharmaindustrie attackiert Beitrag im "heute journal" als unseriös

HAMBURG (dpa). Ein Beitrag der ZDF-Nachrichtensendung "heute journal" über kriminelle Praktiken von Pharmareferenten hat scharfe Kritik der Arzneimittelbranche hervorgerufen. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) attackierte den Bericht vom 10. März als "unseriös" und "verunglimpfend".

Die gesamte Pharmaindustrie sei pauschal als kriminelle Vereinigung dargestellt worden. In einem Brief an ZDF-Intendant Markus Schächter und den ZDF-Fernsehrat vom Freitag fordert der Verband eine Entschuldigung. Das ZDF wies die Anschuldigungen entschieden zurück. Man habe sauber recherchiert.

In dem Beitrag unter dem Titel "Ein Pharmareferent packt aus" sei die Arbeit der Referenten "generell als Bestechung" und die der Industrie als "korrupte Machenschaften der Branche" bezeichnet worden. "An keiner Stelle wurde ein einziger Beleg für diese Behauptungen angeführt", schreibt der vfa. Diese "pauschale Verunglimpfung in einer Flaggschiffsendung der deutschen Fernsehnachrichten" sei "hochgradig infam und lässt jegliche Sorgfaltspflicht vermissen".

Es gebe eine Selbstkontrolle in der Branche, die Fehlverhalten aufdecken und unterbinden soll. "Wir erwarten im Namen der rund 120 000 Mitarbeiter der pharmazeutischen Industrie in Deutschland eine Entschuldigung (...)", hieß es.

Der öffentlich-rechtliche Sender widersprach der Darstellung. "Das "heute journal" hat in seiner Sendung ordentlich gearbeitet und ist seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen", erklärte Redaktionsleiterin Anne Reidt. "Die Recherche umfasste auch die Position der pharmazeutischen Industrie. Die Aussagen der AKG, einer Institution zur Selbstkontrolle in der Pharmaindustrie, bekräftigte die Stoßrichtung des Beitrags sogar. Von Einseitigkeit oder unseriöser Diffamierung kann also keine Rede sein."

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