Ärzte Zeitung online, 06.08.2010

Wasem: Medikamente für Rauch-Stopp sollen GKV-Leistung werden

BERLIN (sun). Nach Auffassung von Gesundheitsexperte Jürgen Wasem sollten Medikamente zur Raucherentwöhnung von der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) übernommen werden. Bislang müssen Raucher die Kosten der entsprechenden Arzneimittel selbst bezahlen.

Wasem: Medikamente für Rauch-Stopp sollen GKV-Leistung werden

Setzt sich für die Erstattungsfähigkeit von Nikotinrezeptorhemmern ein: der Gesundheitsökonom Professor Jürgen Wasem (hier bei einer Talkshow im März).

© Müller-Stauffenberg / imago

Eine Tabakentwöhnung verlängere das Leben, erhöhe die Lebensqualität und entlaste die GKV. Das ist das Fazit einer Veranstaltung der Pharmafirma Pfizer, die unter anderem auch Medikamente zur Tabakentwöhnung herstellt.

Rauchen sei eine ernsthafte Suchterkrankung und keine Frage von Lifestyle, sagte Professor Dr. Stefan Andreas, Facharzt für Pneumologie an der Lungenfachklinik Immenhausen/Kassel und Leiter der Arbeitsgruppe Tabakprävention bei der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Die Nikotinsucht sei nicht nur eine Belastung für die Gesundheit des Einzelnen, sondern auch das Gesundheitssystem. Doch noch immer sei der Stellenwert der Raucherentwöhnung im Gesundheitssystem unzureichend berücksichtigt, kritisierte Andreas.

Tabakentwöhnung sei nicht nur die wirksamste, sondern auch kosteneffektivste Behandlung, um zum Beispiel das Entstehungsrisiko einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) zu senken. Chronisch kranken Rauchern sollte daher die Rauchentwöhnung erstattet werden, forderte der Lungenfacharzt. Schließlich schafften nur drei bis fünf Prozent der Raucher ohne Hilfe - sowohl mit als auch ohne Medikamente - einen dauerhaften Rauch-Stopp. Mit zusätzlichen Hilfen schafften es immerhin 30 Prozent beim ersten Versuch. Andreas forderte daher, den entsprechenden Paragrafen im Sozialgesetzbuch V zu ändern. Im Paragraf 34 werden unter anderem Arzneimittel zur Raucherentwöhnung von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ausgeschlossen.

Unterstützt wurde Andreas auch durch den Gesundheitsökonomen von der Universität Duisburg-Essen, Professor Dr. Jürgen Wasem. Er sprach sich in einer Studie für eine Kostenübernahme der Raucherentwöhnung durch die GKV aus. Seine Studie zu chronisch kranken Rauchern belege, dass sich eine Tabakabstinenz auch ökonomisch lohne. Demnach könne eine medikamentös unterstützte Tabakentwöhnung den Krankenkassen im Falle einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) knapp 1400 Euro pro Patient sparen. Gleichzeitig werde das Leben des Patienten verlängert, so Wasem.

[08.08.2010, 01:58:12]
Johann Gruber 
Medikamente für Rauch-Stopp sollen keine Kassenleistung werden
In § 34 SGB V werden unter anderem Arzneimittel zur Raucherentwöhnung von der Kostenübernahme durch die Krankenkassen ausgeschlossen.

Das sollte auch so bleiben. Menschen, die von der Zigarette unabhängig werden wollen, können die erforderlichen Medikamente locker von dem für die Zigaretten eingesparten Geld selbst finanzieren. Wer dazu nicht bereit ist, dem fehlt offensichtlich der wichtigste Schritt zur Raucherentöhnung: die Motivation. Und ohne die, wären die meisten Verordnungen zu Lasten der Versichertengemeinschaft wohl hinaus geschmissenes Geld.  zum Beitrag »

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