Ärzte Zeitung, 21.10.2010

Ärzte und Apothekerwerben für Wirkstoffverordnung

ABDA und KBV unterstützen interdisziplinäres Konzept der Arzneiversorgung

NEU-ISENBURG (run). In seltener Einigkeit werben KBV und der Bundesverband der Apotheker ABDA derzeit für ein Konzept, bei dem die Wirkstoffverordnung im Vordergrund steht.

Apotheker und Ärzte werben für Wirkstoffverordnung

Auf den Wirkstoff kommt es an: KBV und ABDA setzen auf Wirkstoff-Rezepte.

© unpict / fotolia.com

Das Konzept sieht vor, dass Ärzte in der Therapie künftig den Wirkstoff, Menge, Dosierung und Therapiedauer festlegen, Apotheker hingegen das Arzneimittel wählen - bei Generika innerhalb eines definierten Preiskorridors.

Verordnungsgrundlage soll ein von Ärzten und Apothekern gemeinsam entwickelter, bundesweit einheitlicher Medikationskatalog auf der Basis gesicherter Leitlinien und Empfehlungen sein.

Die propagierten Vorteile der verstärkten heilberuflichen Kooperation: mehr Therapiesicherheit für Patienten, weniger Regressdruck für Ärzte, mehr Freiheit bei der Arzneiwahl für Apotheker und weniger Kosten für das Gesundheitswesen.

Nach Zahlen, die vor Kurzem auf Presseveranstaltungen der Apothekerkammern Nordrhein und Niedersachsen genannt wurden, sollen Einsparungen in Milliardenhöhe durch den kassenübergreifenden Medikationskatalog erreicht werden.

"Ablauf und Rollenverteilung sind klar, nun muss das Konzept Widerhall bei der Politik und den Krankenkassen finden", hieß es auf Anfrage zum weiteren Vorgehen bei der ABDA.

Erste Maßnahmen gibt es zumindest in Westfalen-Lippe, wo Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) und Apothekerkammer und -verband sich zu weiterführenden Gesprächen getroffen haben. "Wir wollen erreichen, dass der Patient, der immer in dieselbe Apotheke kommt, dort auch immer dasselbe Medikament erhält", sagte KVWL-Vize Dr. Wolfgang-Axel Dryden.

Lesen Sie dazu auch:
Papiertiger ABDA-KBV-Konzept?

[22.10.2010, 08:40:59]
Dr. Uwe Lorenz 
So eine Idee kann nur ein Schreibtischritter haben!
Unglaubliche Idee, als wenn eine Therapieeinstellung so einfach wäre.
Als wenn es völlig egal sei, dass es unterschiedliche Bioverfügbarkeiten und unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen in den verschiedenen Generikas gebe. Wie stark muß der Druck auf die ärztliche Körperschaft sein, um so einer kranken Idee zuzustimmen. Die völlige Aufgabe der Therapiefreiheit von uns Ärzten, es lebe der Apotheker. Bitte aber schön dann das Therapierisiko trotzdem beim verordnenden Arzt belassen. Hier kann ich nur jeder Ärztin und jeden Arzt raten schnell immer ein "nicht austauschen" Kreuz auf das Rezept zu setzen und im wirtschaftlichen Bereich zu verordnen. Man kann auch mit solchen Kapriolen und Rechtsverdrehungen nicht die Realität einer immer älter werdenden Bevölkerung mit natürlich auch zunehmender Morbidität verändern. Es wird Zeit, dass hier der Politik die Augen geöffnet werden und nach realistischen Lösungsansätze gesucht wird, ohne Berufsgruppen unter Druck zu setzen oder gar mediale Diffamierungen zu initiieren. Gegenwärtig wäre es verantwortungslos meinen Patienten gegenüber diese Initiative auch nur teilweise umzusetzen, ich wüßte ehrlich gesagt auch nicht, ob meine Haftpflichtversicherung bei eintretenden Schäden überhaupt haften würde.
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