Ärzte Zeitung, 27.10.2010

Koalition verteidigt Pläne zu Orphan Drugs

BERLIN (sun). Die schwarz-gelbe Koalition hat ihre Pläne verteidigt, Orphan Drugs im geplanten Arzneimittelmarkt-Neuordnungsgesetz von der Nutzenbewertung auszunehmen. Voraussetzung für eine Zulassung als Orphan Drugs sei neben der Seltenheit der Erkrankung, dass es hierfür bisher keine adäquate Therapie gebe, hieß es aus Koalitionskreisen. Mit der Zulassung als Orphan Drugs werde somit bereits der Zusatznutzen für seltene Erkrankungen festgestellt.

Der Gesamtumsatz aller Orphan Drugs in der GKV betrage lediglich 800 Millionen Euro, also zwei Prozent der GKV-Arzneimittelumsätze. Bei jeder Indikationserweiterung sei außerhalb des Bereichs "Seltener Erkrankungen" ein neues Nutzenbewertungsverfahren erforderlich. Kritiker hatten zuvor gewarnt, dass Arzneimittelhersteller den Sonderstatus von Orphan Drugs gezielt ausnutzen könnten (wir berichteten).

Aus Koalitionskreisen wurde zudem bekannt, dass Apotheker an den Sparmaßnahmen in der GKV direkt beteiligt werden sollen. Demnach soll Zwangsrabatt von bisher 1,75 auf zwei Euro angehoben werden. Die Koalition verspricht sich davon Einsparungen von etwa 170 Millionen Euro.

Lesen Sie dazu auch:
Streit um schnelle Nutzenbewertung für Orphan Drugs

Topics
Schlagworte
Arzneimittelpolitik (6807)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Bundestag macht den Weg frei für Cannabis auf Rezept

13:12Ärzte können Hanf als verschreibungspflichtiges Medikament verordnen. Nach jahrelanger Debatte hat das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu geregelt. Krankenkassen müssen die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »