Ärzte Zeitung online, 08.12.2010

Markt für rezeptfreie Arzneimittel schrumpft im Jahr 2010

BERLIN (sun). Nach Angaben des Bundesverbands der Arzneimittel-Hersteller (BAH) ist der Markt für rezeptfreie Arzneimittel im Jahr 2010 rückläufig. "Damit setzt sich der Abwärtstrend der vergangenen Jahre fort", sagte BAH-Gesundheitsökonom Dr. Uwe May am Mittwoch in Berlin.

Markt für rezeptfreie Arzneimittel schrumpft im Jahr 2010

Trotz allem: Das Grüne Rezept ist "ein voller Erfolg" - und damit die Empfehlungen von Ärzten.

© Migo

Seit 2004 sind rezeptfreie Arzneimittel - mit wenigen Ausnahmen, so etwa für Kinder bis zwölf Jahre - keine Kassenleistung mehr. Dadurch sei der Umsatz seitdem um 100 Millionen Packungen gesunken, so May.

Dem BAH zufolge verringerte sich in den ersten neun Monaten 2010 der Umsatz mit rezeptfreien Arzneimitteln auf einem Grünen Rezept um 3,9 Prozent auf 972 Millionen Euro. Der Umsatz mit Selbstzahlerpräparaten sank im selben Zeitraum um 1,2 Prozent auf 3,52 Milliarden Euro. Der Versand rezeptfreier Arzneimittel verzeichnete hingegen ein Wachstum von etwa zehn Prozent.

Die Hoffnungen der Pharma-Branche in die Selbstmedikation hätten sich nicht erfüllt, räumte May ein. Seitdem die OTC-Präparate nicht mehr erstattet würden, steckten diese in einer "Imagekrise". Dabei habe es sich bei dem GKV-Ausschluss durch die damals rot-grüne Regierung um "rein fiskalische" Gründe gehandelt. Der Herausnahme aus der Erstattung sei kein Urteil im Sinne einer "Nutzenbewertung" dieser Medikamente gewesen, erinnerte May.

Der BAH forderte von Politik und Krankenkassen ein "öffentliches Bekenntnis" zur Selbstmedikation. Damit solle dem Abwärtstrend des Marktes entgegengewirkt und das Image verbessert werden. "Nur durch die öffentliche Anerkennung der Selbstmedikation kann man dem Image- und Akzeptanzproblem des OTC-Markts begegnen", betonte der BAH-Vorsitzende Hans-Georg Hoffmann.

Das Grüne Rezept wertete der BAH hingegen als "vollen Erfolg". Erst die Empfehlung des Arztes gebe rezeptfreien Arzneimitteln den "Stempel der Wirksamkeit".

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