Ärzte Zeitung online, 14.01.2011

Gute Noten für Arzneiversorgung in Deutschland

BERLIN (hom). Allen internen Reformdebatten zum Trotz: Viele Europäer stellen dem deutschen Gesundheitssystem gute Noten aus. Positiv bewertet wird vor allem die Tatsache, dass den Patienten in Deutschland innovative Arzneimittel bislang direkt nach der Zulassung zur Verfügung stehen.

Gute Noten für Arzneiversorgung in Deutschland

Arzneiversorgung in Deutschland: Viele Europäer schauen neidvoll auf das deutsche Gesundheitswesen.

© diego cervo / fotolia.com

Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Psychonomics im Auftrag des Arzneimittelherstellers Janssen-Cilag unter jeweils rund 1000 Bürgern aus Schweden und Frankreich sowie 2000 Briten hervor.

Von den sieben zur Wahl gestellten Gesundheitssystemen schnitt das schwedische am besten ab (Rang 2,7) während das US-amerikanische System (Rang 6,2) eindeutig das Schlusslicht bildet. Deutschland belegt in dem Ranking Platz 3.

Zwei Details der deutschen Gesundheitsversorgung wurden in der Studie gesondert abgefragt: die Möglichkeit der Patienten zur freien Arztwahl und der Zugang zu innovativen, neu zugelassenen Arzneimitteln.

Rund drei Viertel der Befragten beurteilt die Entscheidungsfreiheit eines Patienten bei der Wahl eines Haus- oder Facharztes in Deutschland positiv und damit als Vorteil gegenüber der Situation im eigenen Land.

In Großbritannien beispielsweise gibt es ein Lotsensystem. Patienten müssen sich erst von einem Hausarzt untersuchen lassen, der sie dann je nach Diagnose zu einem Spezialisten oder in eine Klinik überweist. Die Wahl des Hausarztes hängt von der Postleitzahl des Wohnorts ab.

In Frankreich gibt es zwar eine freie Arztwahl. Patienten müssen jedoch auf die Kassenzulassung des Arztes achten (médecin conventionné), da sonst nur ein geringer Teil der Kosten von den Versicherungen übernommen werden.

Mit der Möglichkeit einer freien Arztwahl werden jedoch auch Nachteile assoziiert. Mehr als die Hälfte der Befragten befürchten, dass es dadurch zu Einbußen in der Qualität der Versorgung kommt. Zwei Drittel der Befragten sehen mit der freien Arztwahl zudem höhere Kosten als im eigenen Land.

Damit ist ihnen der grundsätzliche Konflikt, der sich im Zusammenhang mit der Möglichkeit einer freien Arztwahl immer wieder stellt und der auch in Deutschland zunehmend kritisch diskutiert wird, bewusst: Wahlfreiheit ist aus Sicht der Patienten durchaus reizvoll, aber in der Regel mit höheren Kosten im System, nicht aber höherer Versorgungsqualität verbunden.

Positiv bewertet wird auch die unmittelbare Verfügbarkeit von neuen Arzneimitteln in Deutschland. Drei von vier Befragten stufen das deutsche System hier besser ein als ihr eigenes.

Gute Noten für Arzneiversorgung in Deutschland

In der Regel werden mit dem direkten Zugang zu innovativen Medikamenten keine höheren Kosten assoziiert. Knapp die Hälfte der Befragten schätzt die deutsche Versorgung sogar als kostengünstiger ein.

Die Arzneimittelversorgung in Deutschland war zuletzt Gegenstand heftiger Debatten. Auslöser ist das Arzneimittelneuordnungsgesetz (AMNOG), das zu Jahresbeginn in Kraft getreten ist.

Für Kritik hatte insbesondere die frühe Nutzenbewertung gesorgt, bei der ein Hersteller den Zusatznutzen eines neuen Arzneimittels im Vergleich zu bereits existierenden Präparaten in Form von Studien nachweisen muss. Wird ein Zusatznutzen festgestellt, kommt es zu Preisverhandlungen mit den Kassen, wenn nicht, wird das Mittel dem Festbetragssystem zugeordnet.

Hersteller befürchten, dass die für die frühe Nutzenbewertung gesetzte Frist von drei Monaten zu kurz gesetzt ist. Gesundheits-Staatssekretär Daniel Bahr (FDP) hatte das im Interview mit der "Ärzte Zeitung" verneint.

Hans Wormann, Mitglied der Geschäftsführung von Janssen-Cilag, appellierte an den Gesetzgeber, für ein "transparentes und faires Verfahren" der Nutzenbewertung neuer Arzneimittel zu sorgen, "damit Patienten auch weiterhin "ohne Verzögerung" vom medizinischen Fortschritt profitieren könnten.

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