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Ärzte Zeitung online, 17.03.2011

Barmer GEK-Chefin Fischer wechselt an die vfa-Spitze

Gestern war es noch Spekulation, nun ist es offiziell: Die Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Birgit Fischer, wird neue Hauptgeschäftsführerin beim Pharmaverband vfa - und das schon zum Mai.

Birgit Fischer wird neue vfa-Chefin

Birgit Fischer: Von der Barmer GEK zum vfa.

© Frank Ossenbrink

BERLIN (HL/sun/cw). Die Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Birgit Fischer, wird zum 1. Mai neue Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der forschenden Arzneimittelhersteller (vfa) und Nachfolgerin von Cornelia Yzer, die den Verband 15 Jahre geführt hatte.

"Wir sind sehr froh, dass wir mit Birgit Fischer eine erfahrene und ausgewiesene Gesundheitsexpertin für den vfa gewinnen konnten", sagte vfa-Vorsitzender Dr. Wolfgang Plischke (Bayer AG).

Fischer, 57, hat wie ihre Vorgängerin Yzer eine Politik-Karriere hinter sich - allerdings in der SPD. Sie kommt aus dem Bildungswesen, war von 1991 bis 1998 Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Landtagsfraktion und von 1998 bis 2005 Gesundheitsministerin in NRW.

Zwischen 2005 und 2007 gehörte sie dem Präsidium der Bundes-SPD an. 2007 wechselte sie in den Vorstand der Barmer. Seit deren Fusion mit der Gmünder Ersatzkasse Anfang 2010 ist sie Vorstandsvorsitzende.

Die Tatsache, dass eine ehemalige SPD-Sozialpolitikerin an die Spitze des bedeutendsten Pharma-Verbandes wechselt, hat beim CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn Irritationen ausgelöst: "Der vfa rechnet wohl offensichtlich nicht damit, dass wir wieder gewählt werden", kommentierte Spahn die Personalentscheidung des vfa-Vorstandes.

Er sei gespannt, wie die SPD auf den Personalwechsel reagiere. "Denn das ist für einen Sozialdemokraten doch in etwa so, als würde ein Grüner zur Atomlobby wechseln", so Spahn.

Auch FDP-Gesundheitspolitikern Ulrike Flach sagte gegenüber der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung", der Wechsel Fischers zum vfa "sei nicht im Sinne der Unternehmen".

Flach weiter: "Das ist, als wenn der Papst zu den Atheisten geht." Darüber hinaus nannte Flach Fischer als "schlimmsten Feind" der Pharmaindustrie. Den forschenden Firmen drohe, mit Fischer an der Verbandsspitze "nicht mehr ernst genommen zu werden".

Der vfa reagierte prompt: "Wir sind irritiert über Kommentare einiger Politiker zu unserer neuen Hauptgeschäftsführerin. Uns geht es um einen neuen Dialog über Parteigrenzen hinweg", teilte eine vfa-Sprecherin mit.

Dabei ist es nicht das erste Mal, dass ein Pharmaverband Spitzenpersonal aus der SPD holt: So hatte der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie 1999 aus Fischers Ministerium den obersten Gesundheitsbeamten Hans Sendler abgeworben; nach zweieinhalb Jahren trennte man sich wieder.

vfa-Chef Plischke wundert sich jedenfalls über Spahns Reaktion: "Herr Spahn denkt offenbar an Wahlen. Wir denken an den Dialog." Mit Birgit Fischer an der Spitze wolle der vfa eine neue Orientierung des Verbandes vornehmen. Fischer stehe für mehr Kommunikation "über Partei- und Verbandsgrenzen" hinaus.

Damit steht Fischer vor einer großen Herausforderung. Gerade die forschende pharmazeutische Industrie hat im Gesundheitswesen einen schweren Stand; die Haltung der wichtigsten Ärzteorganisationen zur Industrie ist überwiegend kritisch. Politisch ist die Branche in einer Verteidigungsposition.

Allen Strukturreformen der letzten 15 Jahre waren Pharma-Sparpakete vorgeschaltet. Ungeachtet dessen vermutet die Öffentlichkeit in diesem Teil des Gesundheitswesens die größten Sparpotenziale.

[17.03.2011, 16:39:36]
Dr. Ivar Hess 
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