Ärzte Zeitung online, 23.03.2011

GBA-Beschluss zu Teststreifen für den Markt nicht dramatisch

NEU-ISENBURG (cw). Der Gemeinsame Bundesausschuss (GBA) hatte vorige Woche einen teilweisen GKV-Verordnungsausschluss von Teststreifen für nicht-insulinpflichtige Diabetiker beschlossen (wir berichteten). Dies hat erhebliche, allerdings keine dramatischen Auswirkungen auf den Teststreifenmarkt.

Auswirkungen des GBA-Beschlusses auf den Teststreifenmarkt nicht dramatisch

Teststreifen zur Blutzuckermessung: Rund zehn Prozent aller Verordnungen im GKV-Markt entfallen auf nicht-insulinpflichtige Diabetiker.

© Walter Luger / fotolia.com

Nach Zahlen des Marktforschers Insight Health entfielen auf die GKV-Kassen 2010 sowohl nach Menge (Packungsabsatz) als auch nach Umsatz etwa 83 Prozent des Gesamtmarktes der Blutzuckerteststreifen.

Die gesetzlichen Kostenträger mussten etwa 911 Millionen Euro für Blutzuckerteststreifen ausgeben. Weitere zehn Prozent des Gesamtmarktes entfielen auf Selbstzahler und rund sechs Prozent auf die privaten Krankenversicherungen.

Insgesamt wurden knapp 1,5 Milliarden Blutzuckerteststreifen für rund 1,1 Milliarden Euro zu Apothekenverkaufspreisen verkauft. Gegenüber 2009 ist das ein Zuwachs von vier Prozent.

Im Durchschnitt verbrauchte 2010 jeder der 2,75 Millionen Diabetiker 497 Teststreifen. Allerdings benötigten insulinpflichtige Diabetiker deutlich mehr Teststreifen - durchschnittlich in dieser Gruppe 746 Streifen - als nicht-insulinpflichtige. Von letzteren verbrauchte übers Jahr jeder durchschnittlich nur 180 Streifen.

Insgesamt verbrauchte die Gruppe der nicht-insulinpflichtigen Diabetiker 175 Millionen Blutzuckerteststreifen, die zu Apothekenverkaufspreisen 128 Millionen Euro kosteten.

Überträgt man hierauf den GKV-Anteil von 83 Prozent, so verliert der Markt voraussichtlich 106 Millionen Euro, also knapp zehn Prozent. Die vom GBA befürworteten Ausnahmen, wonach nicht-insulinpflichtige Diabetiker doch Teststreifen zu Lasten der GKV erhalten dürfen, sind in dieser Rechnung freilich nicht berücksichtigt und würden den abschmelzenden Teil des Kuchens noch etwas verkleinern.

[24.03.2011, 14:40:52]
Egon Manhold 
Teststreifen, Kassen vergeuden ...
Reinhard Schmidt schrieb u.a.:
Und trotzdem gibt es immer noch Kassen - so z.B. die BEK - , die es den Apotheken überläßt, entweder überteuerte Streifen für über 29 € oder gleichgute Blutteststreifen für nur 21 € (je 50 Stck., inkl. MwSt) abzugeben - ein verschwenderisches Geschenk an Bayer und Roche, die 70 % des Marktes abbekommen.
Die preisgünstigen Streifen sind teils sogar für viel modernere Geräte zu haben (mit Plasmakalibrierung, Autocoding und nur 0,5ul Blutbedarf).
Zitatende..................

Das, was die preisgünstigen angeblich alles können, können die Geräte/Teststreifen von Bayer und Roche (fast alle) auch. Dieser Vergleich hinkt also.

Zumindest muss man auch praktische Handhabung der Testreifen und -geräte durch die meist schon etwas älteren Typ 2 - Diabetiker berücksichtigen. Zum Beispiel "Festigkeit" der Streifen, Einfachheit des Einführens ins Gerät, usw. zum Beitrag »
[24.03.2011, 14:25:43]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Religion: Note 1 (sehr gut) - Rechnen: Note 6 (ungenügend)
Das liebe ich an Daten des Marktforschers Insight Health: Wie können 2010 denn "knapp 1,5 Milliarden Blutzuckerteststreifen für rund 1,1 Milliarden Euro zu Apothekenverkaufspreisen verkauft" werden, wenn e i n e 50-Stück-Packung letztlich zwischen 21 und 35 Euro (Mittelwert 28 Euro) kostet.

"Die gesetzlichen Kostenträger mussten etwa 911 Millionen Euro für Blutzuckerteststreifen ausgeben": Dann sind das durchschnittlich 32,54 Millionen Packungen mit je 50 Blut"glucose"teststreifen (Vertrauensintervall 26,03 bis 43,4 Mio. Pack.). Die Gesamtsumme aller Teststreifen zu Lasten der GKV beträgt demnach durchschnittlich 1,627 Milliarden (Vertrauensintervall 1,30 bis 2,17 Mrd. Glucoseteststreifen).

Wenn der GKV-Anteil "83 Prozent des Gesamtmarktes der Blutzuckerteststreifen"
mit 911 Millionen Euro Kosten bedeutet, entsprechen 100 % des Gesamtmarktes 1,098 Milliarden "nach Menge (Packungsabsatz) als auch nach Umsatz" im Jahr 2010. Dies sind durchschnittlich 39,214 Millionen Packungen à 50 Teststreifen.

Die Gesamtsumme (GKV und Nicht-GKV) der verkauften, und hoffentlich auch benutzten Blutglucoseteststreifen betrug in 2010 durchschnittlich
1.960.714.200 oder in Worten: 1 Milliarde 960 Millionen 714 Tausend 2 Hundert Teststreifen. Die Vertrauensintervalle lasse ich hier vereinfachend weg.

Es sind also knapp 2 Milliarden Blutglucoseteststreifen, welche die geschätzten 2,75 Millionen Diabetiker in Deutschland im Jahr 2010 verbraucht haben. Das sind im Durchschnitt 713 Teststreifen jährlich für jeden Diabetiker, egal ob Typ 1 oder 2.

Freundliche, kollegiale Grüße, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund zum Beitrag »
[24.03.2011, 11:26:03]
Reinhard Schmidt 
Diabetes Teststreifen: Kassen vergeuden 200 Mio € jährlich
Es ist unglaublich: Allein für Teststreifen werden 1,1 Mrd. € jährlich ausgegeben, das sind 1.100.000.000 €. An sich dürfen die Kassen dafür nur die wirtschaftlichen Kosten übernehmen (§ 31 Abs.1 Satz 5 SGB V).
Und trotzdem gibt es immer noch Kassen - so z.B. die BEK - , die es den Apotheken überläßt, entweder überteuerte Streifen für über 29 € oder gleichgute Blutteststreifen für nur 21 € (je 50 Stck., inkl. MwSt) abzugeben - ein verschwenderisches Geschenk an Bayer und Roche, die 70 % des Marktes abbekommen.
Die preisgünstigen Streifen sind teils sogar für viel modernere Geräte zu haben (mit Plasmakalibrierung, Autocoding und nur 0,5ul Blutbedarf). Allein hier könnte die Barmer über 20 Mio € jährlich sparen. Doch statt für die gesetzlich vorgeschriebene Wirtschaftlichkeit zu sorgen, streicht sie mit Unterstützung des GBA lieber ihren nicht insulinpflichtigen Diabetikern die Teststreifen.

Übrigens dürfen die Ärzte nur noch mit ausdrücklicher Begründung auf dem Rezept überteuerte Messgeräte und zugehörige Teststreifen verordnen (§ 7 Abs. 3 Satz 4 Hilfsmittel-Richtlinie). Einige Kassen achten darauf - die BEK nicht! Durch die Verordnung wirtschaftlicher Streifen lassen sich bundesweit über 200 Mio € jährlich einsparen. Geld, das für die Behandlung oft feht!


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