Ärzte Zeitung, 11.05.2011

Apotheker fürchten Gewinneinbrüche durch AMNOG

POTSDAM (run). Mehr Umsatz bei weniger Arzneipackungen. So lässt sich die Entwicklung des Arzneimittelmarktes 2010 für die insgesamt 21.441 Apotheken in Deutschland zusammenfassen. Dennoch haben viele Apothekeninhaber wenig Grund zur Freude.

Apotheker fürchten Gewinneinbrüche durch AMNOG

Könnte die Apotheke um die Ecke bald Vergangenheit sein? Hochrechnungen lassen dies befürchten.

© adhoc/Lukas Coch / imago

Hochrechnungen für das Jahr 2011 lassen deutliche Einbrüche beim Betriebsergebnis erwarten. "Die Lage der Apotheken ist sehr angespannt", so das Fazit des Vorsitzenden des Deutschen Apothekerverbands (DAV) Fritz Becker.

Insgesamt stiegen die Gesamtumsätze in den Apotheken nach der Statistik des Bundesverbandes der Apothekerverbände (ABDA) 2010 zwar um 1,8 Prozent auf 39,9 Milliarden Euro (ohne Mehrwertsteuer) im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl abgegebener Packungen sank hingegen um 2,8 Prozent auf 1,39 Milliarden.

Aus den Anfang Mai beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apothekerverbands (DAV) in Potsdam vorgestellten Zahlen geht im Detail hervor, dass mit verschreibungspflichtigen Produkten (Rx) 31,6 Milliarden Euro erlöst wurden (+2,6 Prozent).

Dagegen ging die Menge der abgesetzten Rx-Packungen um 2,9 Prozent auf 744 Millionen zurück. Mit apothekenpflichtigen und frei verkäuflichen Präparaten setzten die Apotheken zudem 4,5 Milliarden Euro und damit 4,3 Prozent weniger als im Vorjahr um. Der Absatz der Packungen sank um 2,7 Prozent.

Vor allem das AMNOG, das für die Apotheker einen erhöhten Kassenabschlag von 2,05 Euro für die nächsten zwei Jahre fixiert (dieser Betrag wird vom Fixhonorar abgezogen) bringt aber nach Aussagen der Standesvertretung den Apothekern in diesem Jahr finanzielle Einschnitte.

Zudem wurde in Potsdam moniert, dass der Großhandel seinen Anteil, den er zu Entlastung des Gesundheitssystems beitragen soll, durch verschlechterte Konditionen indirekt an die Apotheken weitergebe.

Die Betriebsergebnisse gehen stark zurück

Welche Auswirkung das für Apotheken künftig haben könnte, verdeutlichen Berechnungen der Treuhand Hannover . Auf der Basis des ersten Quartals 2011 muss danach eine typische Apotheke (Jahresumsatz von 1,2 bis 1,5 Millionen Euro) mit einem Rückgang des Betriebsergebnisses vor Steuern von rund 24 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf nunmehr nur noch 4,2 Prozent vom Nettoumsatz rechnen.

Dies bedeutete für die Inhaber letztlich einen um 35 Prozent niedrigeren Verfügungsbetrag vor Steuern - absolut ein Minus von über 13.000 Euro auf 25.600 Euro. Das ist weniger, als ein angestellter Apotheker in der höchsten Tarifgruppe pro Jahr verdient.

Diese Entwicklung, so Dr. Frank Diener von der Treuhand beim Wirtschaftsforum, habe vermutlich für "viele tausend Apotheken existenzbedrohende Folgen".

Bereits jetzt ist nach den ABDA-Zahlen ein kontinuierlicher Rückgang an Apotheken zu verzeichnen. Rein rechnerisch gab es 2010 jede Woche zwei Apotheken weniger. Der rückläufige Trend setzte sich auch im ersten Quartal 2011 fort.

Noch sei der Rückgang für die Versorgung der Bevölkerung nicht dramatisch, sagte ABDA-Geschäftsführer Karl-Heinz Resch vom Bereich Wirtschaft und Soziales. Es müsse jedoch darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese Entwicklung nicht den Versorgungswünschen der Patienten entspreche.

"Durch das Fixhonorar pro rezeptierter Packung ist es für die Krankenkassen egal, durch wie viele Apotheken diese Medikamente abgegeben werden. Aber für viele Patienten ist es nicht egal, wie weit sie bis zur nächsten Apotheke gehen müssen", betonte er. Insgesamt liege Deutschland bei der Apothekendichte bereits unter dem europäischen Vergleich.

Anlässlich der Veröffentlichung der Jahreszahlen 2010 und der Prognosen für 2011 fordert der DAV-Vorsitzende Fritz Becker von der Regierung, den zurzeit gesetzlich fixierten Kassenabschlag auf 2011 zu beschränken und danach die Festsetzung wieder in die Hände der Selbstverwaltung zu geben.

Dies sollte am besten noch im anstehenden Versorgungsgesetz umgesetzt werden. Zugleich müsse eine jährliche, rechtsichere Dynamisierung der Honorierung von 8,10 Euro unter Berücksichtigung von Kostensteigerungen erfolgen - "so, wie das auch bei den Ärztehonoraren geschieht".

Apotheker fordern bessere Vergütung für Notdienst

Zudem verlangte Becker eine leistungsgerechte Vergütung für Nacht- und Notdienste, der Rezepturherstellung und der Betäubungsmitteldokumentation. Im Gegenzug böten die Apotheken eine qualitativ hochwertige Arzneimittelversorgung.

Ein Zeichen dafür sei zum Beispiel das detailliert ausgearbeitete ABDA-KBV-Konzept, das unter anderem ein Medikationsmanagement bei Multimedikation umfasse. "Wir sind zur konstruktiven Zusammenarbeit bereit", betonte der DAV-Vorsitzende. Aber ein Versorgungsauftrag sei nicht umsonst zu erfüllen.

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