Ärzte Zeitung online, 18.05.2011

Frühe Nutzenbewertung: Schiedsstelle steht

BERLIN (cw). Die vier Pharmaverbände vfa, BAH, BPI und Pro Generika haben sich mit dem GKV-Spitzenverband auf die Besetzung der Schiedsstelle geeinigt. Damit wurde der erste Teil des laufenden Arbeitspensums für die frühe Nutzenbewertung im Konsens über die Bühne gebracht.

Kassenverband und Pharmavertreter sollen sich - so hat das AMNOG ihnen aufgegeben - über die Regularien der Preisverhandlungen verständigen, die sich der frühen Nutzenbewertung anschließen.

Die Besetzung einer Schiedsstelle nach Paragraf 130b SGB V ("Vereinbarungen über Erstattungsbeträge für Arzneimittel") war dabei noch der leichtere Part. Im Fortgang der Gespräche sind nun Kriterien zu erarbeiten, nach denen künftig ein Preis für einen Zusatznutzen zu finden ist.

Bekannte und weniger bekannte Namen in dem Gremium

Aufgabe der Schiedsstelle ist es, bei erfolglosen Preisverhandlungen selbst einen Erstattungsbetrag festzulegen.

Unparteiischer Vorsitzender des Gremiums wird der ehemalige Abteilungsleiter im Bundesgesundheitsministerium (BMG) Dr. Manfred Zipperer. Nach seinem Ausscheiden aus dem BMG 1998 war der Volljurist unter anderem als Berater des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen tätig.

Zu Zipperers Stellvertreter werden der ehemalige Vorsitzende des BKK-Landesverbands Bayern Gerhard Schulte und die ehemalige Referatsleiterin im BMG Erika Behnsen berufen.

Weitere unparteiische Mitglieder sind der scheidende Vorstandschef des AOK-Bundesverbandes Dr. Herbert Reichelt und Dr. Jörg Ludwig Pfletschinger, der früher beim Schweizer Pharmahersteller Roche für das Aufgabengebiet Market Access verantwortlich war.

Als deren Stellvertreter fungieren der einstige Vorsitzende der KV Nordrhein Dr. Leonhard Hansen, der ehemalige Barmer-Chef Professor Eckart Fiedler, Dr. Ottfried Zierenberg vom Pharmaunternehmen Merck Sharpe & Dohme (MSD) sowie der Nürnberger Gesundheitsökonom Professor Frank-Ulrich Fricke.

Neben Pfletschinger können in dem Gremium lediglich Zierenberg und Fricke als eher industrienah gelten. Zierenberg war sieben Jahre lang Medical Director bei MSD Deutschland, Fricke gründete vor elf Jahren eine Beratungsagentur, die sich unter anderem mit Preisbildungsmodellen für Arzneimittel befasste.

Erste Verhandlungen Anfang 2012

Ab Juli werde die Schiedsstelle beginnen, sich eine Geschäftsordnung zu geben, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung der Verbände. Die ersten Verhandlungen zwischen pharmazeutischen Herstellern und dem GKV-Spitzenverband über konkrete Erstattungsbeträge würden "vermutlich im Januar 2012 beginnen".

Voraussetzung dafür ist jedoch ein Kriterienkatalog, wonach der konkrete Geldwert eines Zusatznutzens ermittelt werden kann. Eine entsprechende Rahmenvereinbarung wollen Kassenverband und Industrieverbände nach eigenem Bekunden bis Pfingsten unter Dach und Fach bringen.

Branchenbeobachter sind jedoch skeptisch, dass das so schnell gelingt. Aus Verhandlungskreisen verlautete bereits, der Industrie sei es wichtig, betriebswirtschaftliche Aspekte (etwa Ausgaben für Forschung und Entwicklung oder Herstellkosten) in die Preisbildung für Innovationen einzubringen.

Der Spitzenverband rekurriere dagegen vor allem auf die wenigen im Gesetz ausdrücklich genannten Kriterien, etwa die Kosten vergleichbarer Arzneimittel oder den Abgabepreis in anderen europäischen Ländern.

Sollten Kassen und Industrie in Sachen Rahmenvereinbarung keinen gemeinsamen Nenner finden, könnte die erste Amtshandlung der neuen Schiedsstelle darin bestehen, diese Rahmenvereinbarung selbst festzulegen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »

Frühe ART wirkt protektiv

Die frühe antiretrovirale Therapie (ART) schützt HIV-Patienten vor schweren bakteriellen Infektionen. mehr »