Ärzte Zeitung online, 19.05.2011

Abwärtstrend bei Hessens Apotheken

FRANKFURT/MAIN (run). "Bei den Gesundheitsausgaben spielt Hessen im Bundesvergleich in der zweiten Liga." Dieses Fazit zog der Geschäftsführer des Apothekerverbands Hessen bei der Vorstellung der Jahreszahlen.

Bei den Arzneiausgaben je gesetzlich Versichertem liegt Hessen nach der Statistik des HAV auf dem vorletzten Platz unter allen Bundesländern. 487 Euro fielen hier 2010 pro Kopf an. Im Vergleich dazu waren es beim Spitzenreiter Rheinland-Pfalz 660 Euro.

Als wesentlichen Grund für die unterdurchschnittlichen Ausgaben in Hessen nannte HAV-Geschäftsführer Jürgen Schneider die restriktive Verordnungspolitik des Kassenärztlichen Landesverbandes mit strammen Zielvereinbarungen.

Es ist jedoch nicht das sparsame Verordnen der Ärzte, dass den Apothekern Sorgen bereitet. Vielmehr seien es der von der Bundesregierung verordnete erhöhte Kassenabschlag von nun 2,05 Euro anstelle von 1,75 Euro und die verschlechterten Einkaufskonditionen, die Apotheken beim Großhandel erhielten, die vor allem für das aktuelle Jahr "keine rosigen Zeiten" erwarten ließen, so Schneider.

2010 konnten die hessischen Apotheken noch auf einen Umsatz von knapp 3 Milliarden Euro blicken. Im Vergleich zum Vorjahr hatte er sich zwar geringfügig gesteigert, ebenso die die Zahl der eingelösten Rezepte. Rückläufig waren jedoch die Packungszahlen, an die in erster Linie auch das Apothekenhonorar gekoppelt ist.

Ein Zeichen für die sich verschlechternde wirtschaftliche Lage sei die zunehmende Zahl an Apothekenschließung, sagte Schneider. Allein 20 seien es in den ersten vier Monaten dieses Jahres gewesen - "so viele wie noch nie in so kurzer Zeit".

Von einem "Gesundschrumpfen" im Apothekenmarkt möchte der Vorsitzende des Apothekerverbands Dr. Peter Homann allerdings nicht reden. "Es mag zwar rechnerisch so sein, dass bei weniger Apotheken vom Kuchen dann mehr für die anderen Apotheken übrig bleibt," räumte er ein.

Es stelle sich aber die Frage, ob eine Apotheke, die schließt, wirklich nicht mehr gebraucht werde, oder ob sie sich nur wirtschaftlich nicht mehr getragen hat. Da Apotheken einen gesetzlichen Versorgungsauftrag zu erfüllen hätten, müssten sie auch flächendeckend existieren könnten, folgerte Homann.

Er knüpfte daher an die jüngst beim Wirtschaftsforum des Deutschen Apotheker Verbandes geäußerten Forderungen an. Dazu gehören eine dynamisierten jährlichen Anpassung des Apothekenhonorars und einer Begrenzung des erhöhten Kassenabschlags auf das laufende Jahr.

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Arzneimittelpolitik (6805)

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