Ärzte Zeitung online, 25.07.2011

Grüne: Frauen mehr in Arzneistudien berücksichtigen

BERLIN (sun). Die Grünen haben die Arzneimittelpolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Noch immer würden geschlechterspezifische Unterschiede in Arzneimittelstudien zu wenig berücksichtigt.

Grüne: Frauen mehr in Arzneistudien berücksichtigen

Bender: Evaluierung ist überfällig.

© B'90/Die Grünen

Die schwarz-gelbe Koalition habe kein Interesse daran, hier Abhilfe zu schaffen, kritisierte Grünen-Politikerin Birgitt Bender. Sie berief sich auf die Antwort der Regierung auf ihre Kleine Anfrage "Angemessene Berücksichtigung von Frauen bei klinischen Arzneimittelprüfungen".

Aus Sicht der Opposition windet sich die Regierung zudem um eine konkrete Antwort. "Es konnte keine Klarheit darüber geschaffen werden, ob die von uns Grünen angestoßene Änderung im Arzneimittelrecht zu einer faktischen Berücksichtigung von geschlechterspezifischen Aspekten bei Zulassungsstudien führt", so Bender.

"In der Praxis nichts geändert"

Die dafür notwendigen Antworten sei die Bundesregierung schuldig geblieben. Statt dessen habe sie darauf verwiesen, dass diese "nicht automatisch" vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und Paul-Ehrlich-Institut berücksichtigt werde.

Eine Evaluierung, ob geschlechterspezifische Unterschiede bei der Arzneimittelzulassung stärker berücksichtigt werden, sei "überfällig", betonte Bender.

Dem Arzneimittelgesetz werde aber nur "formal Rechnung getragen", in der Praxis habe sich jedoch nichts geändert, so die Kritik der Grünen.

In der Antwort der Bundesregierung heißt es unter anderem, dass geschlechterspezifische Auswertungen "regelmäßig" Bestandteil der Auswertungen klinischer Studien seien.

"In dieser Hinsicht aussagekräftige Zahlen werden jedoch nur selten in einzelnen klinischen Prüfungen erreicht, sondern erst durch die Betrachtung und Auswertung aller klinischen Prüfungen", die für eine Zulassung der Arzneimittel erforderlich seien.

Aus Sicht der Grünen ein Unding: Wenn in den Einzelstudien jedoch eine für die statistische Auswertung notwendige Berücksichtigung von Frauen fehle, sei eine geschlechtsspezifische Auswertung überflüssig, da sie nicht zu aussagefähigen Schlussfolgerungen führen könne, betonte Bender.

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