Ärzte Zeitung online, 09.01.2012

Regierung will Antibiotika für Tiere einschränken

HAMBURG (dpa). Die Bundesregierung will den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung deutlich reduzieren.

Noch in dieser Woche werde Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) im Bundeskabinett einen entsprechenden Entwurf zur Änderung des Arzneimittelgesetzes vorlegen, wie ein Sprecher der Ministerin dem "Hamburger Abendblatt" bestätigte.

Ziel sei es, "den Einsatz von Antibiotika auf das zur Behandlung von Tierkrankheiten absolut notwendige Maß zu beschränken und die Befugnisse der zuständigen Kontroll- und Überwachungsbehörden der Bundesländer deutlich zu erweitern", sagte der Ministeriumssprecher.

Gleichzeitig appellierte das Ministerium an die Bundesländer, die Kontrollen zu verstärken. Der Bund sorge dafür, dass die zuständigen Landesbehörden ihre Überwachungsaufgaben noch effektiver, noch schneller und noch unbürokratischer erfüllen könnten, sagte der Sprecher.

"Die Länder sind nun gefordert, diese Möglichkeiten auch auszuschöpfen. Das Ziel, den Einsatz von Antibiotika deutlich zu reduzieren, ist nur erreichbar, wenn alle an einem Strang ziehen."

[10.01.2012, 20:52:21]
Dr. Horst Grünwoldt 
Antibiotika-Mißbrauch
Die Verwendung von sog. Fütterungs-Arzneimitteln ist schon seit vielen Jahren verboten. Ausgenommen sind beim Geflügel die Coccidio-Statika (Anti-Protozoa), die keinen therapeutischen Einsatz beim Menschen finden.
Bis in die 80er Jahre wurden tatsächlich verschiedene Antibiotika als Massengeschäft seitens der Pharmaindustrie den Tiermästern über die Futtermittelindustrie geliefert. Dazu gehörte bei Mastschweinen auch das Tylosin, daß nach m.E. keine Humanverwendung jemals hatte.
Es wurden nämlich positive Wachstums-Effekte festgestellt; wahrscheinlich als Ergebnis der Diarrhoe-Prophylaxe bei Neueinstallung der Jungtiere und ihrer Futterumstellung.
Ähnliches kennen wir ja als sog. Reisediarrhoe nach Ankunft in fernen Ländern während der Umstellung der Magen-Darm-Flora auf fremde Serovare.
Daß auf dem äußeren, noch von Haut umgebenen Schlachtkörpern -insbesondere auch bei Geflügel- jede Menge und Art von coliformen Bakterien durch Abklatschkultur mikrobiologisch festgestellt werden können, ist völlig normal. Schließlich ist der Massen-Schlacht-Prozeß kein aseptischer Vorgang.
Aus diesem Grunde wird lebensmittelhygienisch beim In-Verkehr-Bringen von Fleisch immer amtlich die geschlossene Kühlkette für das leicht verderbliche Nahrungs- und Genußmittel verlangt und durch lfd. Temperatur-Messungen auch kontrolliert. Natürlich nur, bis es vom Käufer/Verbraucher(in) aus der Kühl- oder Gefriertruhe entnommen...und möglicherweise stundenlang im Warmen noch spazierengetragen/-gefahren wird.
Weil Geflügel immer noch relativ häufig latenter "carrier" von Salmonellen verschiedener Spezies ist, muß selbstverständlich dessen Fleisch immer einer Wärmebehandlung von größer 70 Grad Celsius
aúsgesetzt werden. Im übrigen wird äußerst selten das humanpathogene S. typhimurium unter den bis zu 2000 Salmonella- Serovaren diagnostiziert.
In der Regel -sofern das lebende Schlachttier keine Sepsis hatte- ist das unter der gedeckten Haut befindliche Muskelfleisch von vor der Schlachtung tierärztlich untersuchten Lebendgeflügel, Schweinen, Schafen und Rindern stets steril und wird erst bei einem unhygienischen Zerlegungsvorgang mikrobiell mit verschiedenen Keimen kontaminiert. Neben tierischen oder menschlichen Darmbakterien leider auch manchmal mit multiresistenten Staphylokokken, die meistens den (verletzten) Händen oder der Nase des Schlachters entstammen.
Interessant ist, daß trotz all dieser bekannten Tatsachen über den Zustand von Frischfleisch, wir in Deutschland (dem Land der Barbaren?) meines Wissens die einzigen Verbraucher von rohem, schlachtfrischem Hackfleisch (Schweine"Mett" und "Hackepeter" oder Rinder"Tatar")in den zivilisierten Ländern der Welt sind, und dies- entgegen hygienischer Bedenken- bei uns noch sehr beliebt ist.
Dabei ist die latente Gefahr trotz Trichinenschaus, sich am rohen Fleisch eines Bio-Freilandschweins mit Trichinellen zu infizieren, weitaus größer als bei einem aus einer sog. (isolierten) Massentierhaltung.
Das italienische "Carpaccio" stammt wenigstens von gut abgehangenen, (milchsäure-) gereiftem Rinderfilet, daß dann auch noch mit einer Vinegraitte-Behandlung vor dem Verzehr weitgehend bakteriell "dekontaminiert" wird.
Die gleiche hygienische Unbedenklichkeit gilt in etwa auch für die umgereiften Rohwürste ("Salami"), die mit Pökellake (deutsche) oder nach Meersalz-Behandlung (südländische) hinreichend luftgetrocknet wurden.
Interessant ist auch, daß durch den Fleisch-Reifungs-Prozeß (Muskelglykogen zu Milchsäure) beim sog. "Abhängen" in einem gut durchlüfteten Kühlraum die pH-Wert-Verschiebung in den sauren Bereich sogar zum "Abtöten" (Inaktivierung) von MKS-Viren führt!
Insofern ist es ziemlich unverständlich, daß Reisenden regelmäßig wg. vermeintlicher Gefahr der Einschleppung von Erregern der Maul-und-Klauenseuche ihre behandelten Fleischerzeugnisse, die vom Rind,Schwein,Schaf oder Ziege stammen können, bei der europäischen Veterinär-Grenzkontrolle abgenommen und vernichtet werden.
Zumal diese ja nicht der Verfütterung an empfängliche Tiere dienen, sondern von MKS-Virus-unempfindlichen Menschen gegessen und verdaut werden.
Dr. med. vet. Horst Grünwoldt (FTA für Hygiene), Rostock  zum Beitrag »

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