Ärzte Zeitung, 13.03.2012

Hüftimplantate: Metall-auf-Metall birgt Risiken

LONDON (dpa). Ein Verbot von Metall-auf-Metall-Hüftimplantaten haben britische Wissenschaftler im "Lancet" gefordert. Datenanalysen hätten eindeutig gezeigt, dass bestimmte Implantate, bei denen Metall auf Metall gleite, schädlich sein könnten und häufiger als andere Varianten neue Hüftoperationen nach sich zögen.

Die Forscher fordern auch, dass Medizinprodukte wie Implantate vor der Zulassung deutlich länger und besser geprüft werden.

Beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hieß es, dass derzeit eine Risikobewertung für die Metall-auf-Metall-Hüftendoprothesen stattfinde. Das BfArM stehe im Austausch mit der englischen Gesundheitsbehörde MHRA, den medizinischen Fachgesellschaften und Herstellern.

Metall-auf-Metall-Gelenkimplantate galten ursprünglich als besonders haltbar und vor allem für körperlich aktive Patienten geeignet. Daran gebe es aber bereits seit längerem Zweifel, heißt es im "Lancet".

Giftiger Abrieb kann in Körper gelangen

Für die Studie hatten Forscher um Ashley Blom von der Universität Bristol 400.000 Hüftoperationen aus einer Datenbank für England und Wales analysiert, bei denen zwischen 2003 und 2011 Implantate eingesetzt wurden. Mehr als 31.000 davon waren Metall-auf-Metall-Prothesen. Bei anderen Implantaten wird Keramik oder auch Polyethylen genutzt.

Ein Ergebnis der Analyse: Je größer die Gelenkflächen der Metall- auf-Metall-Implantate waren, desto größer war die Gefahr, dass sie irgendwann auszutauschen waren.

Ein Gelenkkopf aus Metall reibt bei den Prothesen in einer Gelenkpfanne aus Metall - dabei kann giftiger Abrieb in den Körper gelangen, der Entzündungen verursachen kann. Alle Patienten, die solche Implantate haben, sollten gut überwacht werden.

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA hatte erst kürzlich vor möglichen Gewebsschädigungen durch Metall-auf-Metall-Prothesen gewarnt. Mit jährlichen Blutuntersuchungen solle bei betroffenen Patienten geprüft werden, ob Metallverbindungen in den Körper gelangten.

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