Donnerstag, 23. Mai 2013
Ärzte Zeitung, 25.07.2012

Kommission will Ärzte aus der Grauzone holen

Substituierende Ärzte fühlen sich oft mit einem Bein im Gefängnis. In Niedersachsen arbeitet seit einem halben Jahr eine Kommission, die Mediziner bei Fragen der Substitution von Opiatabhängigen berät.

Unterstützung bei Versorgung in der Grauzone

Suchtberatung und Methadon-Substitution: Damit kann einigen Patienten der Ausstieg aus der Drogen-Abhängigkeit geebnet werden.

© Klaus Rose

HANNOVER (cben). Niedersachsens Beratungskommission für substituierende Ärzte verzeichnete im ersten Arbeits-Halbjahr nach ihrer Gründung "einen Schwall von Anfragen".

Das sagte Kommissionsmitglied und Justiziar der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN), Dr. Carsten Scholz, der "Ärzte Zeitung". Die Kommission hat sich im November letzten Jahres konstituiert.

Sie diskutiert und berät den Vorstand der Kammer in grundsätzlichen Fragen der Substitution von Opiatabhängigen und organisiert Fortbildungen. Oberstes Ziel sei aber, "das Angebot an alle substituierenden Ärzte, sich zu schwierigen Problemen in diesem Behandlungsfeld beraten zu lassen", hieß es.

Das Land zählt laut KV 260 substituierende Ärzte. "Wir haben bisher 415 Anfragen verzeichnet", erklärt Scholz. "Rund ein Viertel der substituierenden Ärzte haben unsere Fortbildungen besucht."

Die Beratung sei aus Datenschutzgründen keine Fallberatung, sondern eine generelle thematische Beratung, um Patienten und Ärzte zu schützen, sagt Kai Bogs, in der Kammer zuständig für die Kommission.

Zudem biete das Kammergesetz keine Rechtsgrundlage für eine Übermittlung von Patientendaten an die ÄKN.

Von Familien und Nordseeinseln

Neben der Beratung befasst sich die Kommission auch mit systematischen Problemen der Opiatsubstitution.

Dabei geht es um "Schnittstellenprobleme bei Haftantritt und Haftentlassung", so die ÄKN, um die korrekte Verwendung der Substitutionsmittel oder um die umstrittene Take-Home-Regelung, bei der stabile Patienten mehrere Dosen Methadon zu nach Hause eigenständig einnehmen können.

"Die Vorkommnisse in Bremen und Hamburg haben uns sensibilisiert", erklärt Scholz die Gründung der Kommission.

In Bremen waren im Haar von Kindern substituierter Eltern Drogenrückstände entdeckt worden. In Hamburg ist im Januar ein Kind nach der Einnahme von Methadon gestorben.

"Für uns ist natürlich auch die Frage, inwieweit Ärzte Einblick in die Familien haben und eine Gefährdung des Kindeswohls verhindern können", sagt Scholz. Die Frage sei auch, was Ärzte tun können, dass die Substitionsmittel nicht in Hände dritter oder der Kinder gelangen können.

Aber auch ganz pragmatische Fragen beschäftigen die substituierenden Ärzte und die Kommission. "Wie kann zum Beispiel auf den Nordseeinseln die Urlaubs-Vertretung geregelt werden?"

Die Initiative in Niedersachsen wurde auch mit Hintergrund von Verstößen des Betäubungsmittelgesetzes durch Ärzte eingerichtet. Im Jahr 2008 hatte die KV nach einer Überprüfung 104 Verstöße durch Ärzte gegen das Betäubungsmittelgesetz festgestellt. Auch die Krankenkassen hatten vier Ärzte wegen Verstößen angezeigt.

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Einsichten, die nicht allen schmecken

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