Ärzte Zeitung, 05.09.2012

Nur Notdienstklappe geöffnet

Warnstreiks in 60 Apotheken

Türe zu, Klappe auf: Im Kampf um ein höheres Honorar haben rund 60 Apotheken in Baden-Württemberg ihre Arbeit eingeschränkt. Der Protest dauerte nur wenige Stunden, doch schon bald sollen ganztägige Warnstreiks folgen - und zwar auch in zwei weiteren Bundesländern.

Warnstreiks in 60 Apotheken

Eine Apothekerin der Schwan Apotheke in Esslingen reicht Medikamente durch die Notdienstklappe.

© Jan-Philipp Strobel / dpa

NEU-ISENBURG (run). In den Kreisen Esslingen und Sigmaringen haben am Mittwochvormittag Apotheken ihre Arbeit aus Protest eingeschränkt.

In rund 60 Apotheken wurden Kunden drei Stunden lang nur durch die Notdienstklappe bedient und Informationen rund um Forderungen nach einer besseren Honorierung der Apothekenleistungen verteilt, wie der Landesapothekerverband Baden-Württemberg mitteilte.

Dies sei allerdings nur ein erstes Signal in Richtung Politik gewesen. "Da bislang kein angepasstes Honorarangebot vorgelegt wurde, gehen wir mit den Warnstreiks in die nächste Runde," heißt es kämpferisch in einer Pressemitteilung.

Der LAV ruft daher wie zuvor die Verbände im Saarland und in Rheinland-Pfalz seine Mitglieder auf, sich landesweit geschlossen an den ganztägigen Warnstreiks am nächsten Mittwoch, dem 12. September, zu beteiligen.

Geplant ist, dass Apothekenleiter wieder über die Notdienstklappe die Arzneimittelabgabe übernehmen und das Apothekenpersonal für Gespräche mit den Kunden zur Verfügung steht.

Gelassene Patienten

Patienten haben den ersten Warnstreik offensichtlich recht gelassen genommen.

"Es sind deutlich weniger Kunden gekommen als sonst, vielleicht weil die Medien berichtet haben, dass Apotheken ihre Arbeit einschränken," berichtet eine Apothekerin aus der Apotheke im ES! in Esslingen. Generell habe es wenig Diskussionen und gelegentlich sogar Zustimmung gegeben.

Das bestätigt auch eine Mitarbeiterin aus der Apotheke am Theater: "Vor allem jüngeren Kunden haben die Aktion gut angenommen, ältere hatten weniger Verständnis."

Ob man sich der ganztägigen Aktion in der kommenden Woche anschließen werde, war in beiden Apotheken noch offen.

Zuvor hatte die baden-württembergische Gesundheitsministerin Katrin Altpeter die Apothekerkammer aufgefordert, die Arzneimittelversorgung auch während des Streiks sicherzustellen.

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