Ärzte Zeitung online, 18.10.2012

Preismoratorium

Industrie will doch nicht klagen

Nun doch keine Klage: Die Pharmaindustrie will wegen des ungeliebten Herstellerrabatts doch nicht die Gerichte anrufen. vfa-Chef Pfundner hofft vielmehr auf die "Vernunft der Politik" - und findet lobende Worte für Schwarz-Gelb.

Preismoratorium: Industrie will doch nicht klagen

Roche- und vfa-Chef Pfundner: Schnelle Reaktion von Schwarz-Gelb anerkennen.

© vfa

FRANKFURT/MAIN (cw). "Wir haben uns entschlossen, nicht zu klagen" - die Aussage von Dr. Hagen Pfundner ist eindeutig.

Noch zu Jahresbeginn wollte der Vorsitzende des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller (vfa) nicht ausschließen, notfalls auch die Gerichte anzurufen, um das seit August 2010 laufende Preismoratorium auszusetzen.

Anlässlich der Vorstellung der Neun-Monatszahlen von Roche Deutschland am Donnerstag in Frankfurt am Main, erneuerte Pfundner zwar seine Forderung, wegen der satten GKV-Überschüsse den 16-prozentigen Herstellerrabatt wieder zu senken und den gesetzlichen Preisstopp vorzeitig aufzuheben.

Offiziell läuft diese gesetzliche Maßnahme zur Begrenzung der Arzneimittelausgaben erst Ende 2013 aus.

Doch in Anbetracht der zu erwartenden Dauer eines Gerichtsverfahrens hoffe man lieber "auf die Vernunft der Politik". Pfundner: "Wir fordern ein, dass die Politik ihre Versprechen hält".

Laut europarechtlichen Vorgaben ist regelmäßig zu prüfen, ob staatliche Eingriffe in Pharmapreise noch gerechtfertigt sind. Anfang Februar hatte das Bundesgesundheitsministerium mit dem lapidaren Hinweis auf die unsichere Haushaltslage der GKV verkündet, das Moratorium sei unverändert fortzuführen.

Nach Angaben des vfa-Vorsitzenden wird die Pharmaindustrie in Deutschland über die gesamte dreieinhalbjährige Laufzeit des 16-prozentigen Rabatts mit voraussichtlich fünf bis acht Milliarden Euro belastet.

Gutes Jahr für Roche

Roche wird dieses Jahr schätzungsweise 180 Millionen Euro an die Kassen rückvergüten; bis Ende September waren es bereits 150 Millionen Euro.

Doch es gab auch Lob für Schwarz-Gelb: Nach anfänglichen Reibungsverlusten im Prozess der frühen Nutzenbewertung habe Berlin schnell reagiert und nachgearbeitet. "Das muss man anerkennen", sagte Pfundner.

Die Einbindung der Zulassungsbehörden in die Beratungen zur zweckmäßigen Vergleichstherapie oder die Berücksichtigung von Kaufkraftparitäten bei der Bestimmung eines Länderkorbs europäischer Vergleichspreise - beides Elemente der 16. AMG-Novelle - stellten wichtige Verbesserungen dar.

Für Roche Deutschland wird 2012 ein gutes Jahr. Nach den ersten neun Monaten konnten die hiesigen Landesgesellschaften des schweizer Pharma- und Diagnostikakonzerns den Umsatz um vier Prozent auf knapp 3,9 Milliarden Euro verbessern. Dabei entfielen zwei Milliarden Euro auf gesellschaftsinterne Verkäufe.

Im Geschäft mit Dritten legte Pharma um fünf Prozent auf rund eine Milliarde Euro zu (Zwangsrabatte bereits abgezogen). Die Diagnostikasparte musste sechs Prozent Rückgang auf 782 Millionen Euro verkraften.

Ursache dafür: wachsende Konkurrenz durch Billiganbieter von Diabetes-Teststreifen sowie geänderte Erstattungsregularien für diese Produkte.

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