Ärzte Zeitung, 10.12.2012

NRW

Acht Maßnahmen für mehr Arzneimittelsicherheit

Weil Patienten immer älter werden, wollen die Beteiligten im Gesundheitswesen Nordrhein-Westfalens die Arzneimittelsicherheit erhöhen. Dafür wurde ein Maßnahmenkatalog entworfen.

Von Ilse Schlingensiepen

Acht Maßnahmen für mehr Arzneimittelsicherheit

Ein Haufen verschiedener Arzneien: Polymedikation ist vor allem im Alter ein Problem.

© Alexander Raths / istockphoto.com

KÖLN. In Nordrhein-Westfalen wollen sich die Beteiligten im Gesundheitswesen gemeinsam für eine höhere Arzneimittelsicherheit einsetzen.

Die Landesgesundheitskonferenz (LGK) hat dafür unter Mitwirkung des Aktionsbündnisses Patientensicherheit einstimmig ein Maßnahmenpaket zur Verbesserung der Sicherheit bei der Arzneimitteltherapie auf den Weg gebracht.

Ein wesentliches Ziel ist es, die Zahl unerwünschter Nebenwirkungen bei Polymedikation zu verringern.

Arzneimittelrisiken frühzeitiger erkennen

"Wir brauchen insbesondere aufgrund der immer älter werdenden Patienten eine bessere sektorenübergreifende und multiprofessionelle Zusammenarbeit von Ärzten, Apothekern und Pflegeeinrichtungen, um die Arzneimitteltherapie zu optimieren und um Arzneimittelrisiken besser und frühzeitiger erkennen zu können", sagte Landesgesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne).

Die Mitglieder der LGK haben sich in Münster auf Handlungsempfehlungen für acht Bereiche verständigt:

- Pharmakotherapie-Management,

- Umgang mit Polymedikation insbesondere im Alter,

- Überleitungsmedikation an den Schnittstellen,

- Arzneimitteltherapiesicherheit in Einrichtungen der Langzeitpflege,

- Aus-, Fort- und Weiterbildung,

- Festlegung von Indikatoren zur einheitlichen und vergleichbaren Beurteilung beziehungsweise Evaluation der Arzneimitteltherapiesicherheit,

 - Patienteninformation und -kompetenz sowie

- die Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes.

"Mit diesem Bündel an Maßnahmen wollen wir zum einen die Sicherheit für Patienten, zum anderen die Verordnungssicherheit für Ärzte erhöhen", sagte Ministerin Steffens.

Alle Gesundheitsberufe könnten dazu beitragen, die Arzneimitteltherapiesicherheit zu verbessern, sagte Professor Ulrich Jaehde vom Aktionsbündnis Patientensicherheit.

"Wesentliche Schritte sind ein teamorientiertes Rollenverständnis und eine klare Aufgabenverteilung zwischen Ärzten, Apothekern und Pflegekräften", erklärte er.

"Das Papier ist ein Konsens"

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Dr. Wolfgang-Axel Dryden, begrüßte die Verabschiedung des Maßnahmenkatalogs.

"Ich halte das für einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Wir unterstützen die Ziele voll", sagte er der "Ärzte Zeitung". "Jetzt muss jeder über seinen Part in dem Konzept nachdenken."

Die Sitzung der LGK sei konstruktiv gewesen, berichtete er. "Die Einstimmigkeit des Votums sollte ein Signal sein." Das Konzept sei von einer Arbeitsgruppe erarbeitet worden.

Dabei habe es zum Teil sehr engagierte Diskussionen gegeben, da jede Gruppe ihre eigenen Vorstellungen zum Thema Arzneimittelsicherheit habe.

"Das Papier ist der Konsens, auf den man sich hat einigen können", sagte Dryden. Wichtig sei, dass sich jeder - einschließlich der Patienten - im Konzept wiederfinde.

Die Ärzte seien zuständig für die Diagnosestellung, die Therapiewahl, die Wirkstoffauswahl und die Verordnung. "Der Arzt erstellt den Medikationsplan für den Patienten", sagte Dryden.

Der Patient sollte den Medikationsplan bei Arzt- und Apothekenbesuchen immer mit sich führen, da dort alle verordneten Arzneimittel und die Selbstmedikation eingetragen werden sollen.

"Klar ist: Die pharmakologische Kompetenz liegt beim Arzt, die pharmazeutische beim Apotheker", betonte er. Dort wo es zu Überschneidungen kommt, müsse jetzt genau definiert werden, wer für was zuständig ist.

KVWL will arztgestütztes Arzneimittel-Management

Dryden strebt für Westfalen-Lippe seit Längerem an, ein arztgestütztes Arzneimittel-Management einzuführen, das den Fokus auf die Patientensicherheit legt.

"Ich erwarte, dass unsere Gespräche mit den Krankenkassen jetzt noch einmal deutlich intensiver werden und zu einem baldigen Ende führen", sagte er.

Schließlich hätten die Kassen bei der LGK genau die Zielrichtung unterstützt, die auch die KVWL verfolge.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Baustelle Arzneisicherheit

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