Freitag, 25. Juli 2014
Ärzte Zeitung, 13.12.2012

Leitartikel

Der BMG-Krimi taugt kaum für einen Spionageroman

Schriftwechsel unter Ministerialen ausgespäht - was unter der Rubrik "Spionage" in Medien verkauft wird, ist eher ein Diebstahlsdelikt. Tatsächlich sind Politik und Lobby im Gesundheitswesen eh eng verwoben - und aufeinander angewiesen.

Von Helmut Laschet

225a0201_4175860-A.jpg

Datenklau im BMG: Der Minister ist „stinksauer“.

© VRD / fotolia.com

Haben die Apotheker einen 007 auf das Bundesgesundheitsministerium angesetzt? Mit dem Auftrag, so frühzeitig wie möglich Gesetzes- und Verordnungspläne auszuspähen, um Strategien zu entwickeln, Gesetze im Interesse der Berufsgruppe zu beeinflussen?

Gewiss: Die Milliardenbeträge, die im Gesundheitswesen bewegt werden, setzen Phantasien frei. In Kombination mit der berufsbedingten Fähigkeit von Pharmazeuten, mit kleinsten Mengeneinheiten zu kalkulieren und zu hantieren, lässt sich dies auch auf ihre Kaufmannseigenschaften und ihre akribische Lobbyarbeit übertragen. Centbeträge bei Handelsspannen können millionenschwere Auswirkungen auf den gesamten Berufsstand haben.

Der Krimi, der sich in den letzten zwei oder drei Jahren im Dreieck zwischen dem Bundesgesundheitsministerium, einem externen Mitarbeiter eines IT-Dienstleisters und einem Apotheker-Lobbyisten abgespielt haben soll, taugt allerdings kaum zum Spionageroman, zur Verschwörungstheorie "Pharmakonglomerat gegen Gemeinwohl". Einstweilen ermittelt die Staatsanwaltschaft ganz banal wegen des Verdachts auf Diebstahl und Bestechung. Wobei sich nicht einmal ein Schaden definieren lässt ...

Jetzt weiterlesen in der ÄrzteZeitung-App ...e.Med 30 Tage kostenlos testen ...

|
[13.12.2012, 16:49:49]
Dr. Karlheinz Bayer 
ist das gedacht als Beitrag für die Heute Show?

Nein, Herr Laschet!

Es war keine Spionage, höchstens Diebstahl.
Und es wurde ja nicht einmal geistiges Eigentum gestohlen, denn selbst Minister Bahr sagt ja, es wurden Dinge ausbaldowert, die er selbst erst viel später erfahren hat.

Also, was soll's!
Nennen wir es einfach "mitgehört"!

Und die Euro-Cent-Beträge, die sich zu Euro-Millionen summieren, gab es da nicht einen Präzendenzfall, bei dem es sich um Peanuts, das sind Erdnüsse, gehandelt hat?

Nein, den Apothekern unterstelle ich nicht, daß sie Daniel Craig berufen haben. Dem Apothekerverband auch nicht. Der ist so seriös wie die FIFA oder die USB-Bank in der Schweiz es sind. Und außerdem ist Daniel Craig gerade mit seinem nächsten Krimi beschäftigt, was Ihre Theorie festigt, daß Spionage nicht vorgelegen haben kann.

Und weil es sich ja überwiegend um Tabletten und Dragees handelt, ist die Spionage, die ihrem Wesen nach nur ein Diebstahl ist am Ende wohl sogar ein Mundraub.

Mundraub ist in Deutschland nicht strafbar.

Herr Laschet,
je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr gebe ich Ihnen Recht.
Das ist ein Sommerlochthema!
Der eigentliche Skandal ist, daß es im Winter kommt.

Wollen wir mal abwarten, was die Staatsanwaltschaft daraus machen wird? Ob man den gemeinen Dieb findet? Und seine Hintermänner und Hinterfrauen? Und wieviele Leitartikel noch nötig sein werden?
Wir sollten James Bond darauf ansetzen im Auftrag ihrer Majestät.

Frohe Ostern!

Ihr
Karlheinz Bayer, Bad Peterstal zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Überversorgung: Praxisaufkauf als neue Drohkulisse

Ordenlich Sprengstoff haben die Gesundheitsweisen in ihr Gutachten gesteckt: Ab 200 Prozent Versorgungsgrad sollen KVen Arztsitze aufkaufen, wird dort empfohlen. Werden Praxen bald zwangsweise dichtgemacht? mehr »

Daniel Bahr: "Hier werde ich als Sozialist bezeichnet"

Seit sechs Monaten berät Ex-Gesundheitsminister Daniel Bahr einen unparteiischen Think Tank in den USA. Im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" erzählt er, warum viele US-Amerikaner Deutschland für sozialistisch halten. mehr »

Pflegeheime: Influenza-Prävention mangelhaft

Influenza-Erkrankungen in Alten- und Pflegeheimen sind oft lebensgefährlich. Bei der Prävention und beim Management von Ausbrüchen liegt aber vieles im Argen, heißt es in einer neuen Analyse. mehr »