Sonntag, 30. August 2015
Ärzte Zeitung, 16.01.2013

Westfalen-Lippe

Rabattverträge nicht bei Impfstoffen, bitte!

Ärzte und Apotheker in Westfalen-Lippe fordern die Landesgesundheitsministerin zur Intervention auf.

Von Ilse Schlingensiepen

Rabattverträge nicht bei Impfstoffen, bitte!

Gesuchter Impfstoff nicht da? Die Impfstoffversorgung über Ausschreibungsverfahren ist störanfällig, warnen KVWL und Apotheker.

© Klaus Rose

KÖLN. In Westfalen-Lippe warnen Ärzte und Apotheker vor Rabattverträgen bei Grippeimpfstoffen. Ihre Befürchtung: Die Versorgung der Patienten ist gefährdet, wenn sich die Krankenkassen von nur einem Anbieter abhängig machen.

Die Spitzen der KV (KVWL), der Apothekerkammer und des Apothekerverbands fordern die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) zum Handeln auf.

Steffens könne das Vorgehen der Kassen zwar nicht verbieten, sagt der KVWL-Vorsitzende Dr. Wolfgang-Axel Dryden. "Sie kann sich aber durch ihre Kontakte für eine politische Regelung einsetzen."

Länder wie Schleswig-Holstein, Hamburg oder Bayern, die mit Monopolverträgen bei Impfstoffen schlechte Erfahrungen gemacht haben, würden sie bestimmt unterstützen, sagt er.

Lieferversprechen bislang eingehalten

Die Organisation der Grippeimpfstoffversorgung über Ausschreibungsverfahren sei störanfällig. In Nordrhein-Westfalen haben die Unternehmen ihre Lieferversprechen zwar bislang eingehalten. Man könne sich aber nicht darauf verlassen, dass das so bleibt, betont Dryden.

Bei den großen Patientenzahlen, die dort zu versorgen sind, könne man nicht erwarten, dass bei Ausfällen andere Unternehmen in die Bresche springen. "Dann ist die Versorgung mit Grippeimpfstoffen gefährdet, und das möchte ich weder Ärzten noch Patienten zumuten."

Die negativen Erfahrungen in anderen Bundesländern seien ausgewertet und durch verbindliche vertragliche Vorgaben für die kommende Saison ausgeschlossen worden, teilten die westfälischen Kassen mit.

Bei Grippeimpfstoffen lasse sich ein "wettbewerbs- und marktgerechtes Preisniveau" nur über europaweite Ausschreibungen realisieren. Deshalb müssten die Rabattverträge konsequent fortgeführt werden, sagt Andreas Hustadt, Leiter der Ersatzkassenverbände in NRW.

|
[16.01.2013, 11:53:28]
Dr. Klaus Weiner 
Rabattverträge bei Impfstoffen problematisch
Mögen die Spitzenverbände auch diskutieren,die Allmacht der Kassen fegt letzlich doch jeden, auch berechtigten Einwand beiseite... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Flüchtlinge in Europa: "Ich bin dankbar, dass ich jetzt hier bin"

Immer mehr Flüchtlinge strömen nach Westeuropa. Viele Länder sind mit den Massen überfordert, die Stimmung heizt sich auf. Einblicke in die Lage auf den griechischen Inseln und in anderen Teilen Europas - mit Video. mehr »

KBV-Befragung zeigt: Lange Wartezeiten für die meisten Patienten kein Problem

Lange Wartezeiten auf einen Arzttermin - ist das nur eine Illusion? Laut aktueller KBV-Versichertenbefragung jedenfalls sind fast zwei Drittel der Patienten mit der Terminvergabe zufrieden. KBV-Chef Dr. Andreas Gassen räumt aber auch Probleme ein. mehr »

Pro Jahr: Arztpraxen buttern vier Milliarden Euro in Bürokratie

In Arzt- und Zahnarztpraxen werden im Jahr vier Milliarden Euro für Bürokratie ausgegeben. Zu diesem Ergebnis kommt der Nationale Normenkontrollrat in einer Untersuchung gemeinsam mit den Spitzenverbänden der Selbstverwaltung. mehr »