Ärzte Zeitung online, 24.03.2014

Arzneimittel

Vorsprung für PKV-Patienten

Wer privatversichert ist, hat eindeutig besseren Zugang zu Arzneiinnovationen, zeigt eine neue Studie. Die PKV führt dies auf fehlenden Regressdruck zurück.

Von Helmut Laschet

Vorsprung für PKV-Patienten

Öfter mit Originalpräparaten: Privatrezept.

© lolipep / fotolia.com

KÖLN. Die Ausgaben- und Verordnungsstruktur bei Arzneimitteln unterscheiden sich in der GKV und PKV fundamental. Privatversicherte profitieren dabei von den höheren Freiheitsgraden in der PKV: der Anteil innovativer Arzneimittel ist deutlich höher, außerdem werden auch rezeptfreie Arzneien erstattet.

Aufgrund der günstigeren Morbidität von Privatversicherten ist das Gesamtausgabenniveau in der PKV niedriger als das der gesetzlichen Kassen.

Dies geht aus einer am Montag in Köln veröffentlichten Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor, in der die Arzneimitteldaten von 14 PKV-Unternehmen aus dem Jahr 2012 ausgewertet worden sind. Diese Daten sind mit dem GKV-Arzneiverordnungsreport verglichen worden.

Insgesamt hat die PKV 2012 ihren 8,96 Millionen Mitgliedern 2,46 Milliarden Euro für Arzneimittel erstattet. Die GKV gab 29,2 Milliarden Euro für ihre 69,7 Millionen Versicherten aus. Bei den gesetzlichen Kassen liegt der Anteil der Arzneiausgaben bei 16,9 Prozent (zum Vergleich Anteil der vertragsärztlichen Versorgung: 16.3 Prozent).

Relativ gibt die PKV mit 10,9 Prozent weniger aus, während der Anteil für die Erstattung ambulanter ärztlicher Behandlung 24,3 Prozent beträgt.

Bei langfristiger Betrachtung haben sich die Arzneikosten in der PKV wesentlich dynamischer entwickelt als bei den gesetzlichen Kassen: plus 137,7 Prozent zu 77,7 Prozent zwischen 1997 und 2012. Eine Ursache sind kostendämpfende Eingriffe des Gesetzgebers: Budgets, Richtgrößen, Leistungsausgrenzungen, die es in der PKV nicht gibt.

In den letzten Jahren hat sich der Ausgabenanstieg in der PKV jedoch ebenfalls abgeflacht, unter anderem, weil der gesetzliche Rabatt (16 Prozent ab August 2010 bis 31. Dezember 2013) auch für die PKV gilt.

Aufschlussreich sind ein Blick auf die umsatzstärksten Arzneimittel in der PKV und ein Vergleich mit der GKV: Auf Platz 1 im Privatmarkt steht Sortis® mit einem Umsatz von 39,9 Millionen Euro. Der Lipidsenker macht seinen Umsatz zu 90,9 Prozent im Privatmarkt.

Sparpotenzial auch für die PKV

Der Grund: Nach der umstrittenen, aber letztlich vom Bundessozialgericht bestätigten Festsetzung eines Festbetrags war Sortis® nur mit einer erheblichen Aufzahlung für Kassenpatienten zu bekommen - die PKV zahlt in der Regel den vollen Preis.

Auf Platz 3 steht Lucentis® gegen feuchte altersbedingte Makuladegeneration. Auffällig ist der hohe Anteil des Privatmarktes mit 33,4 Prozent - ein Indiz dafür, dass Kassenpatienten mit fragwürdigen Methoden - Off Label Use mit Avastin® oder nicht zulässiger Auseinzelung von Lucentis® versorgt werden.

Auch neue Arzneimittel, die die Nutzenbewertung durchlaufen haben und für die es einen Erstattungsbetrag gibt, setzen sich in der PKV schneller durch als in der GKV, obgleich die AMNOG-Regeln für beide Versicherungsarten die gleichen sind.

So hat Bromfenac (Yellox®) einen Privatanteil von 26,6 Prozent, Abirateronacetat (Zytiga®) kommt auf 20,4 Prozent. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass auch positiv bewertete Arzneimittel bei Kassenpatienten restriktiver verordnet werden als bei Privatpatienten.

Eine andere Besonderheit im PKV-Arzneimittelmarkt ist die Erstattung von rezeptfreien Arzneimitteln. In der GKV ist dies nur möglich aufgrund von restriktiven Ausnahmeregelungen, die der Gemeinsame Bundesausschuss trifft.

In der PKV beträgt der Anteil an den erstatteten Gesamtverordnungen 35,7 Prozent, mit leicht sinkender Tendenz über die Jahre. Die Ausgaben der PKV für OTC-Präparate beläuft sich auf 325 Millionen Euro (13,2 Prozent an den Gesamtausgaben für Arzneien).

Auf der anderen Seite ist die Generikaquote in der PKV mit 57,3 Prozent aller Verordnungen deutlich niedriger als in der GKV (93,8 Prozent). Hier dürfte noch ein erhebliches Sparpotenzial liegen.

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